Meine Mutter hatte früher ein Alkoholproblem. Heute trinkt sie nicht mehr, sie ist aber kaufsüchtig geworden. Da sie viel Geld hat, leidet niemand darunter. Seit vier Jahren geht sie regelmässig in die Suchtberatung. Verändern tut sich an ihrer Kaufsucht aber nichts. Ich finde das frustrierend.

SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Manche denken, wenn ein Problem mal aus der Welt geschafft ist (wie die Alkoholsucht Ihrer Mutter) und durch ein anderes, aber letztlich weniger schädigendes Verhalten ersetzt wurde (wie die Kaufsucht), könnte man es ja dabei belassen. Was soll eine Beratung nützen wenn sich auch nach vier Jahren nichts mehr bewegt und die Kaufsucht immer noch nicht überwunden ist? Da werden doch nur Kosten verursacht, die jemand anderem zu Gute kommen könnten.

Es gibt sicher viele Betroffene, die in der Situation Ihrer Mutter die Beratung beenden würden. Sie tut es aber nicht. Offenbar braucht sie diese Unterstützung noch. Weshalb sie das tut, ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. Vielleicht erlebte sie ihre Alkoholabhängigkeit als existentiell bedrohlich und sie fürchtet, wieder in dieses Verhalten zurückzufallen wenn sie die Beratung aufgibt. Vielleicht ist es für sie entlastend, regelmässig mit jemandem zu sprechen, der ihre Geschichte kennt und sie unterstützt. Vielleicht hofft sie, die Kaufsucht doch noch zu überwinden? Sicher gäbe es noch viele Gründe die in Frage kämen.

Betroffene sind sich einig. Das Bewusstsein, süchtig zu sein, begleitet einen bis ans Lebensende. Man kann nie ganz sicher sein, nicht rückfällig zu werden. Das Leid und die Not, die damals erlebt wurden, möchten sie nicht mehr erleben. Deshalb sind die Personen, die einen auf diesem Weg begleitet haben, so überaus wichtig. Sie haben die Geschichten miterlebt, sind bei allen Krisen dabei gewesen, haben alle Erfolge geteilt. Langfristige, positiv und unterstützend erlebte Beziehungen sind ein unabdingbarer Teil der Bewältigung einer Sucht. Ob diese Unterstützung von Angehörigen, einem Arzt / einer Ärztin oder einem Suchtberater / einer Suchtberaterin geleistet wird, ist nicht einmal so wichtig. Hauptsache sie ist vorhanden

Seien Sie also nicht weiter frustriert, dass Ihre Mutter vermeintlich keine Fortschritte mehr macht. Sie hat die Unterstützung gefunden die sie braucht und die ihr Sicherheit verleiht. Und letztlich ist auch zu vermuten, dass sie es dank der Beratung auch schafft, sich ihrer Kaufsucht zunehmend bewusst zu werden und dagegen anzugehen.


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