Alkoholabhängigkeit meiner Partnerin - wie soll ich mich verhalten? Vor einigen Wochen war es so schlimm, dass sie das Trinken stoppen musste - und krasse Entzugserscheinungen bekam.

Ich bin seit etwas mehr als einem halben Jahr mit meiner Freundin zusammen. Als wir uns kennen lernten trank sie keinen Alkohol. Nach einiger Zeit fand ich zufällig heraus warum - sie ist alkoholabhängig und wollte "clean" sein. Es ging ihr nach eigener Aussage gesundheitlich und emotional viel besser.

Leider ist sie vor einiger Zeit rückfällig geworden. Ich bin unsicher wie ich reagieren soll, aber immerhin reden wir viel darüber. Es ist schwierig, denn sie schämt sich für ihre "Schwäche" - allerdings scheint es ein sehr starker Drang zu sein. Wenn sie trinkt ist sie sehr unterhaltsam und angenehm, alle Kollegen auf Parties lieben sie..sie ist aktiv, verspürt starkes sexuelles Verlangen etc. ... es ist nicht so dass es im ersten Moment von aussen betrachtet etwas wäre was sich ändern müsste.

Allerdings sehe ich wie es sie verändert - sie redet wirres Zeug, hat Erinnerungslücken und zunehmend gesundheitliche Probleme. Vor einigen Wochen war es so schlimm dass sie nach einigen Tagen Trinken stoppen musste - und krasse Entzugserscheinungen bekam, die mehrere Tage anhielten: Schwitzen, Zittern, Schmerzen am ganzen Körper etc. Es war schwer sie in diesem Zustand zu sehen, ich dachte sie stirbt.

Seit dem Tag hab ich selbst keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt, sie ist jedoch immer wieder rückfällig geworden. Sie hat Angst mich deswegen zu verlieren, aber die Sicht ist scheinbar stärker.

Ich weiss nicht wie ich mich verhalten soll - ich bin eher der verständnissvolle Typ, so harte Ansagen oder sie emotional unter Druck zu setzen ("ich oder der Alkohol"), das kann ich eher nicht.

Was soll ich tun? Danke für jeden Tipp...

SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Hallo greedy, willkommen im Forum!

Ihre Freundin hat offensichtlich ein Alkoholproblem. Sie schämt sich dafür, redet mit Ihnen darüber, hat bereits mehrere Versuche unternommen, vom Alkohol loszukommen - und ist doch immer wieder rückfällig geworden. Sie machen sich grosse Sorgen, haben schon äusserst beängstigende Situationen erlebt und beobachten, wie sich die Freundin durch das Trinken verändert. Das alles ist sehr belastend und verunsichernd.

Alkoholmissbrauch hat gesundheitsschädigende Folgen und verursacht viel Leid. Ihr Posting zeigt einmal mehr, wie stark Angehörige von einer Sucht im nahen Umfeld mitbetroffen sind.

Sie fragen sich, wie Sie sich am besten verhalten sollen und stellen klar, dass harte Ansagen und emotionaler Druck nicht Ihr Ding sind. Wie also können Sie sich schützen und entlasten, die eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen und gleichzeitig unterstützend und verständnisvoll reagieren?

Greedy, dass Ihre Freundin mit dem Trinken aufhört und die dazu nötigen Schritte unternimmt, können Sie ihr nicht abnehmen, das liegt ganz allein in ihrer Verantwortung. Sie können allenfalls versuchen, ihr Ihre Beobachtungen und Sorgen ohne Vorwurf mitzuteilen, sie für eine Veränderung zu motivieren und gegebenenfalls anbieten, Adressen von Beratungsstellen für sie ausfindig zu machen. Die entsprechenden Stellen in Ihrer Nähe finden Sie auf unserer Website unter „Hilfe vor Ort“. Eventuell bieten Sie der Freundin an, sie zu einem Erstgespräch zu begleiten, das kann diesen Schritt für sie einfacher machen. Wenn sie jedoch fachliche Hilfe ablehnt, sind Ihnen wohl die Hände gebunden…

Was Sie auf jeden Fall tun können und meiner Ansicht nach auch tun sollten ist, Ihre eigene Rolle in der Beziehung zu einer Alkoholabhängigen zu klären. Wie können Sie sich entlasten, was hilft, den Leidensdruck abzumildern? Wozu sind Sie bereit, was ist für Sie akzeptabel, und wo ist die Grenze des Aushaltbaren? Im Angehörigenforum finden Sie verschiedene Beiträge mit Erfahrungsberichten von Angehörigen, Anregungen und Tipps, die womöglich hilfreich sind. Weiter kann ich Ihnen sehr empfehlen, sich bei unserer Mailberatung zu melden. Da werden Sie bei der Auseinandersetzung mit oben genannten Fragen von einer Fachperson unterstützt und können im Beratungsprozess herausfinden, wie Sie mit dieser schwierigen Situation umgehen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren.

Alles Gute und freundliche Grüsse

Helen


Fragen von Angehörigen

Sucht im Alter, Temesta & Schmerzmittel zuhause in kontrollierte Bahnen bekommen - ist das möglich bei einer älteren Person?

Hallo, ich bin 35 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder (11 und 8 Jahre). Vor einem Jahr habe ich herausgefunden, dass mein Mann regelmäßig kokst. Am Anfang war ich völlig am Boden zerstört und wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Da er geschäftlich viel unterwegs ist, ist mir lange nichts aufgefallen – bis ich begonnen habe, genauer hinzuschauen. Dabei habe ich auch Abrechnungen von verschiedenen Puffs gefunden. Das hat mich psychisch komplett kaputt gemacht. Ich frage mich bis heute, was er dort gemacht hat. Er schwört mir immer wieder, dass nichts mit Prostituierten passiert sei. Aber was macht man sonst dort? Eigentlich ist unser Sexleben gut, weshalb ich noch weniger verstehe, warum er überhaupt hingeht. Ich hatte so viel Kopfkino, so viele Streitereien, so viel Leid. Wenn er konsumiert hatte, war er am nächsten Tag nicht mehr er selbst. Irgendwann hat er es geschafft, fünf Monate lang nichts zu nehmen – bis es vor Kurzem wieder passiert ist. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ich habe keine Kraft mehr, ständig mit ihm zu diskutieren. Ich tue mir selbst nur noch leid – und meine Kinder auch, weil sie meinen Frust und meine Wut spüren. Ich will nicht mehr jeden Tag kontrollieren müssen, ob er etwas genommen hat oder nicht, vor allem weil ich es ja sowieso nicht ändern kann. War jemand schon einmal in einer ähnlichen Situation?

Mein Freund leidet an einer Canabissucht. Mich macht alles psychisch kaputt, aber ich liebe ihn so sehr. Wie kann ich ihm aus der Sucht helfen?

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