Hallo, ich bin 35 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder (11 und 8 Jahre). Vor einem Jahr habe ich herausgefunden, dass mein Mann regelmäßig kokst. Am Anfang war ich völlig am Boden zerstört und wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Da er geschäftlich viel unterwegs ist, ist mir lange nichts aufgefallen – bis ich begonnen habe, genauer hinzuschauen. Dabei habe ich auch Abrechnungen von verschiedenen Puffs gefunden. Das hat mich psychisch komplett kaputt gemacht. Ich frage mich bis heute, was er dort gemacht hat. Er schwört mir immer wieder, dass nichts mit Prostituierten passiert sei. Aber was macht man sonst dort? Eigentlich ist unser Sexleben gut, weshalb ich noch weniger verstehe, warum er überhaupt hingeht. Ich hatte so viel Kopfkino, so viele Streitereien, so viel Leid. Wenn er konsumiert hatte, war er am nächsten Tag nicht mehr er selbst. Irgendwann hat er es geschafft, fünf Monate lang nichts zu nehmen – bis es vor Kurzem wieder passiert ist. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ich habe keine Kraft mehr, ständig mit ihm zu diskutieren. Ich tue mir selbst nur noch leid – und meine Kinder auch, weil sie meinen Frust und meine Wut spüren. Ich will nicht mehr jeden Tag kontrollieren müssen, ob er etwas genommen hat oder nicht, vor allem weil ich es ja sowieso nicht ändern kann. War jemand schon einmal in einer ähnlichen Situation?

SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Hallo und vielen Dank, dass Sie Ihre Situation mit uns teilen. Ich antworte Ihnen als SafeZone-Fachperson und nicht als Betroffener.

Es braucht viel Mut, so offen über etwas zu schreiben, das so belastend und verletzend ist. Aus Ihrer Schilderung wird sehr deutlich, wie stark Sie seit einem Jahr unter der Situation leiden und wie viel Kraft Sie bereits aufgewendet haben, um damit umzugehen. Es ist vollkommen verständlich, dass Sie erschöpft sind – niemand kann diese Dauerbelastung allein tragen.

Die Kombination aus dem Kokainkonsum Ihres Mannes, den Veränderungen in seinem Verhalten und den Funden bezüglich der Bordelle bringt enorme Unsicherheit, Misstrauen und Ängste mit sich. Viele Menschen in ähnlichen Situationen erleben genau dieses Kopfkino, Zweifel und das Gefühl, den Boden unter den Füssen zu verlieren. Dass Sie sich fragen, was dort passiert ist, ist nachvollziehbar – und gleichzeitig gibt es im Moment offenbar keine Informationen, die Ihnen wirklich Sicherheit oder Klarheit geben können.

Sie beschreiben sehr deutlich, wie sehr Sie selbst und auch Ihre Kinder betroffen sind. Es ist wichtig, dass auch Ihre Belastungsgrenze und Ihr Wohlbefinden ernst genommen werden. Sie müssen diese Situation nicht allein tragen. Oft hilft es, zuerst den Fokus wieder zu sich selbst zu richten: Was brauchen Sie jetzt, um stabil zu bleiben? Was würde Ihnen Entlastung geben?

Vielleicht könnte es hilfreich sein, wenn Sie für sich selbst Unterstützung in Anspruch nehmen – sei es in Form einer Suchtberatung, einer Paarberatung oder einer eigenen psychosozialen Begleitung. Diese Begleitungen können Ihnen einen sicheren Rahmen geben, um:

• Ihre Gefühle und Sorgen auszusprechen,

• Klarheit zu gewinnen, was für Sie und Ihre Kinder wichtig ist,

• Grenzen zu definieren, die Sie schützen,

• und einen realistischen Blick darauf zu bekommen, welche Veränderungen Sie von Ihrem Mann erwarten können – und welche nicht.

Sie können auch als Angehörige diverse Fachangebote in Anspruch nehmen. Finden, können sie diese auch selbstständig unter https://www.infodrog.ch/de/hilfe-finden/suchtindex.html

Ihr Mann hat gezeigt, dass Abstinenz möglich ist (fünf Monate sind eine beachtliche Zeit). Gleichzeitig zeigt der Rückfall, dass er professionelle Unterstützung brauchen könnte, um langfristig stabil zu bleiben. Ob er bereit ist, Hilfe anzunehmen, können letztlich nur Sie und er gemeinsam herausfinden – aber Sie können die Verantwortung für sein Verhalten nicht tragen.

Sie müssen nicht alles sofort entscheiden. Vielleicht kann ein erster Schritt sein, sich selbst Raum zu geben, um zu sortieren, was Sie gerade brauchen und wo Sie Unterstützung bekommen können. Sollten sie eine persönliche Beratung über unsere SafeZone-Plattform wünsche, dürfen Sie uns auch gerne unter https://www.safezone.ch/de/beratung schreiben. Dort können wir auch längerfristig miteinander schreiben und Nachrichten austauschen.


Fragen von Angehörigen

Mein Freund trinkt sehr viel - wie wird man denn Alkoholiker?

Mein Freund ist kokainabhängig und hat schon vieles probiert, um davon wegzukommen, wird aber immer wieder rückfällig. Egal wie ich reagiere, verständnisvoll, wütend, ein Ultimatum stellend usw. es ändert nichts. Ich weiss nicht mehr, was ich noch für ihn tun kann.

Ich konsumiere seit 10 Jahren Amphetamin und mittlerweile ca. ein halbes Gramm pro Tag. Ich habe es satt und möchte ein Hallo erstmal. Ich beziehe mich auf das im Titel angegebene Thema und möchte mich bei euch bedanken für die Ratschläge vor einigen Jahren. Gleichzeitig mein aktuellen Stand berichten und vlt kann ich einigen da draussen weiterhelfen. Nun mittlerweile bin ich seit über 3 Jahren völlig clean vom Amphetamin. Ich habe im 2018 einen kalten Entzug gemacht zu Hause (war nicht gerade die beste Zeit meines Lebens) und dadurch leider den Job verloren. Nichts desto trotz habe ich weiterhin durchgehalten. Am Anfang hat sich die Sucht verlagert auf Alkohol bis es total ausser Kontrolle geriet (bis zu 2 liter Schnaps im Tag) und ich einen Alkoholentzug in der PSA Wattwil gemacht habe. Seither habe ich das Thema Alkohol im Griff, gelegentlich ein Bier und das wars, jedoch ging ich danach in die Tagesklinik in Uznach SG, was total befremdlich war und ganz ehrlich meine Psyche total entstabilisiert hat ohne das ich es mitbekommen habe. Für mich war die ganze Welt neu und ich kam mir vor wie auf Droge nach so vielen Jahren permanentem Konsum. Daher kann ich persönlich jedem empfehlen auf gewisse Institutionen zu verzichten und andere Lösungen zu finden ausnahme ist die PSA in Wattwil, das war eine der lehrreichsten Zeit meines Lebens und das Team ist erfahren wie auch wohlwollend. Was ich von der Klinik Süd nicht behaupten kann. Naja es war eine sehr schwere Zeit. In der Zwischenzeit wurde ein sehr ausgeprägtes ADHS bei mir diagnostiziert und es wurde mir diverse Metylphendidate wie Ritalin, concerta und Focalin gegeben. Natürlich erst das eine, ohne wirkung, das nächste usw.. Ich bin mittlerweile immer noch ohne Arbeit da ich mein Leben nicht mehr so im Griff habe wie mit den Amphetaminen. Naja, ich habe das eine Übel gegen ein anderes eingetauscht. Sobald ich in leicht stressige Situationen gerate kommt auch 3 Jahre später der Suchtdruck weiss nicht ob sich das jemals ändern wird oder ob man einfach lernen muss damit zu Leben. Aber manchmal muss man halt alles verlieren bevor gewisse Änderungen möglich sind. Dafür habe ich eine liebe Partnerin gefunden welche mir trotz meiner Geschichte beisteht und mich unterstützt. Nun mein Tipp an betroffene. Mich persönlich hat mein Hund gerettet. Jeden Tag mehrfach Gassi gehen und viel in der Natur sein zum Energie tanken (und nein ich bin nicht esoterisch veranlagt) Alte Kontakte überdenken und vlt die Frage stellen wer ist wirklich Freund und wer nicht, so hat sich mein ganzes Leben schritt für schritt verändert. Es ist ein langer und anstrenger Weg und vorallem an die welche beruflich erfolgreich sind mit täglichem Drogenkonsum, man sollte sich mal alles überdenken und sich selber Fragen ob es das Wert ist. Es wird nie mehr so sein wie vorher, bedeutet aber nicht das es schlechter ist,auf jeden Fall gesünder. Liebe Grüße und bleibt gesund White010

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