Meine Frau hatte seit ihrer Jugend Alkoholprobleme, die sie allerdings seit gut 10 Jahren nun im Griff hat (kein Verlangen mehr nach Alkohol), allerdings hat sie auch schon immer häufig Cannabis geraucht, wenn sie welches zur Verfügung hatte und nicht testen lassen musste. Auch wenn sie längere Zeit keins konsumiert, beschäftigt es sie ständig und sie denkt immer daran. Wenn sie welches hat, raucht sie pausenlos, bis alles weg ist. Sie kann es nicht einteilen oder aufheben, für z.B. eine Party oder so. Letzten Sommer hatte sie etwas mit synthetischem Stoff erhalten (Vape) und das hatte eine extreme Wrkung, sie war tagelang high und konnte kaum laufen. Nach dem Absetzen hat es noch ein paar Tage gedauert, bis sie back to normal war. Dann hatte sie von einem Bekannten Hasch bekommen, das sie irgendwie total aggressiv gemacht hat. Nach solchen Ereignissen ist sie immer für ein paar Wochen clean und ok, doch dann will sie unbedingt wieder welches haben, weil sie sagt, daß es heutzutage normal ist und sogar legal in so vielen Ländern und man sollte nicht so eine große Sache draus machen und das ganze eben locker sehen, just for fun. Fun ist es aber in meinen Augen schon lange nicht mehr. Wir verstehen uns ansonsten hervorragend und sind glücklich aber sobald die Drogen ins Spiel kommen, haben wir uns nur in den Haaren, weil sie sich dann sofort verändert in ihrer Persönlichkeit und wir dann auch nirgends hin können oder keinen Besuch haben, weil jeder sofort sieht, daß sie high ist. Ich habe ziemlich viel Verantwortung in unserer Ehe, weil ich das Geld verdiene (sie findet keinen Job), ich viele Sachen erledigen muß (sie kann kein gutes Deutsch) und sie hat auch keinen Führerschein. Sie führt den Haushalt, kocht, wäscht, putzt usw…. Was ich sehr wertvoll finde, aber irgendwie kommt es mir manchmal vor, als hätte ich eine Jugendliche mit mir leben, anstelle eine erwachsene Frau. Bin ich so konservativ im Hinblick auf Cannabis Rauchen? Ist es normal, daß eine nicht mehr ganz junge Frau (45 Jahre) vorwiegend ans kiffen denkt und wenig Initiative zeigt beim Deutsch lernen oder Arbeit finden? Ist es normal, daß sie lieber mir Rauchern, Kiffern usw. rumhängt als mit Menschen, die nicht trinken und rauchen (findet sie irgendwie langweilig und spiessig)….. Wie soll ich mich verhalten?

SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Herzlichen Dank für Ihre Anfrage.

Sie sind mit einer Frau verheiratet, mit der Sie es eigentlich sehr guthaben, solange sie keine Substanzen konsumiert. Dann erleben Sie das Verhalten Ihrer Frau als unberechenbar und fühlen sich dafür verantwortlich, auf sie aufzupassen. Sie wünschten Sie sich, dass sich Ihre Frau mehr darum bemühen würde, sich in verschiedenster Hinsicht weiterzuentwickeln und sich wie eine «erwachsene» Frau zu verhalten. Sie hingegen scheint damit zufrieden zu sein, Ihnen den Haushalt zu führen und sie hält ihre aktuellen Deutschkenntnissen für ausreichend.

Es macht den Anschein, als ob Sie unsicher sind, ob Sie von Ihrer Frau mehr fordern können oder sollen, als sie aktuell zu leisten bereit ist. Möglicherweise spüren Sie unbewusst, dass etwas Schweres hinter dem Konsum steht. Drogen- oder Alkoholkonsum können dazu dienen, mit schwierigen Gefühlen umzugehen, diese in den Hintergrund zu drängen. Vielleicht ist dies auch bei Ihrer Frau der Fall und sie versucht auf diese Weise, inneres Leid und/oder inneren Stress zu bewältigen. Möglicherweise hat Ihre Frau traumatisches erlebt. Ein Trauma kann durch ein sehr schlimmes Ereignis ausgelöst werden, aber auch durch eine wiederkehrende schlechte Behandlung durch enge Bezugspersonen in der Kindheit oder Jugend, wie z.B. emotionale oder körperliche Vernachlässigung, Entwertung und Entmutigung, häufiges Angeschrien werden, sexueller Missbrauch, körperliche Strafen etc. Wenn man so aufwächst, findet man diese Behandlung vielleicht sogar «normal» und denkt, man habe es nicht besser verdient. Und weiss später vielleicht nicht, warum man sich meistens schlecht oder nicht so gut fühlt. Solche Erlebnisse können auch im Leben von Erwachsenen eine wichtige Rolle spielen, weil daraus ein Gefühl von Wertlosigkeit und Ausgeliefertsein resultiert, ebenso das Gefühl, sich vor anderen Menschen in Acht nehmen zu müssen. Um sich zu schützen, bleibt man zum Beispiel lieber zu Hause und in Sicherheit.

Könnte es sein, dass sich Ihre Frau bei Ihnen sicher fühlt? Vielleicht möchte sie nicht arbeiten und ihre Deutschkenntnisse nicht verbessern, um dieses sichere Umfeld nicht verlassen zu müssen. Mit dem Substanzkonsum kann sie vielleicht Abstand zu ihren wiederkehrenden schlechten Gefühlen gewinnen.

Falls diese Annahmen zutreffen sollten, würde ich Ihrer Frau eine Psychotherapie empfehlen, damit sie über das, was sie erlebt hat, reden und einen anderen Umgang damit finden kann. Nur das Suchtmittel zu entziehen, löst das Problem nicht wirklich, zumal Ihre Frau ja immer wieder abstinente Phasen hat und irgendwann wieder den Drang verspürt, zu konsumieren. Sicherlich haben Sie ihr dadurch, dass Sie ihr diesen sicheren Rahmen bieten, schon sehr geholfen. Falls Ihre Frau nicht bereit ist, Hilfe zu akzeptieren, empfehle ich Ihnen, sich selbst beraten zu lassen, z.B. in einer Suchtberatung. Auch für Ihre Frau könnte das die erste Anlaufstelle sein, um herauszufinden, welche Fachperson Therapie in der Muttersprache Ihrer Frau anbietet. Hier finden Sie die für Sie zuständige Suchtberatung: https://www.infodrog.ch/de/hilfe-finden/suchtindex.html. Meistens sind die Beratungen kostenlos.

Sie haben Ihr Anliegen unter den öffentlichen Fragen gestellt. Dort können wir auf Ihre Situation nur beschränkt eingehen. Wenn Sie sich bei SafeZone persönlich beraten lassen möchten, erhalten Sie unter diesem Link kostenfrei eine Beratungsperson zugeteilt, mit der sich anonym austauschen können: https://www.safezone.ch/de/beratung.


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