Ich organisiere ein Familienfest. Mein alleinstehender Bruder hat zurzeit massive Alkoholprobleme. Es besteht das Risiko, dass er sich dort betrinkt und mich in eine peinliche Situation bringt. Was soll ich tun?

SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Die Vorstellung, dass der Bruder zu lallen anfängt, die Leute rundherum lächeln oder betreten wegschauen, die ist tatsächlich peinlich - vor allem, wenn es der eigene Bruder ist und man selber auch noch das Fest organisiert hat.

Für das Fest die angenehmste Lösung ist, wenn Sie ihn gar nicht einladen. Er wird es jedoch mit grösster Wahrscheinlichkeit erfahren und Sie damit konfrontieren. Zudem fällt es nicht leicht, den eigenen Bruder auszuschliessen. Wenn Sie ihn ausdrücklich ausladen, ist das die ehrlichere Variante - je nachdem wie Sie es begründen: „Ich habe nichts gegen dich als Person, aber unter den jetzigen Umständen möchte ich dich nicht dabei haben, weil dein Auftreten den Anlass stört und für mich peinlich ist“. Eine solche Lösung ist dann sinnvoll, wenn die Gefahr besteht, dass Ihr Bruder bereits betrunken am Anlass eintrifft. Es bleibt Ihnen dann noch die Unannehmlichkeit, dem Rest der Verwandtschaft zu erklären, wieso der Bruder nicht da ist.

Wenn die Chance besteht, dass Ihr Bruder nüchtern am Anlass erscheint, könnten Sie versucht sein, seinen Alkoholkonsum zu steuern, indem Sie sich neben ihn setzen und ihm auf die Finger schauen. Ob Sie diese Polizistenrolle einnehmen wollen? Sie wäre jedenfalls mit viel Stress verbunden und würde wohl zu Konflikten mit Ihrem Bruder führen. Angehörigen raten wir deshalb, keine Verantwortung für den Konsum zu übernehmen, sondern für die Folgen, unter denen sie selber leiden.

Das hiesse zum Beispiel, mit Ihrem Bruder im Voraus über Ihre Befürchtung zu reden und ihm klar zu machen, dass Sie keine betrunkenen Personen am Fest haben wollen. Er soll damit in die Verantwortung genommen werden und Vorschläge machen, wie er das zu verhindern gedenke. Von Vorteil ist, wenn er sich bereit erklärt, auf Alkohol zu verzichten. Wenn er Ihnen die Erlaubnis gibt, ihn dabei zu unterstützen, ist das okay. Dieses Vorgehen würde die Möglichkeit eröffnen grundsätzlich mit ihm über sein Problem und die Hilfsmöglichkeiten zu sprechen. Erst mit ihm zu reden oder einzuschreiten, wenn er bereits betrunken ist, ist schwierig bzw. fast unmöglich.

Sie können es natürlich auch darauf ankommen lassen: Vielleicht wäre ja eine Eskalation für Ihren Bruder eine Lehre? Nur: Leider zeigt die Realität, dass die Festgemeinschaft meistens über solche Vorkommnisse hinweg schweigt. Die einzige Person, der es peinlich ist, wären wiederum Sie.


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