Mein Vater wurde vor 25 Jahren trocken. Seit er sich vor 2 Jahren hat pensionieren lassen, ist er faul und lustlos geworden und trinkt wieder Alkohol. Was können wir tun um ihm zu helfen? Warten bis es noch schlimmer und mehr wird?

Mein Vater wurde vor 25 Jahren trocken. Vor ca. 10-15 Jahren hat er langsam wieder angefangen zu trinken. Zuerst mit alk. Freiem Bier, dann Prosecco in dann kam er beim Wein an.

Er trank immer nur ein Glas. Oder vielleicht mal zwei.

Seit er sich vor 2 Jahren hat pensionieren lassen ist es jedoch mehr geworden. Er hat keine Hobbys obwohl er ein Hund hat und viel raus könnte . Sitzt vor dem tv und macht den ganzen Tag nichts.

Er ist faul geworden und Lustlos. Hat viel zu viel Zeit um zu studieren und sich Sachen einzureden. Seine Vergangenheit holt ihn ein und lässt ihn nicht los (er hatte eine schwere Kindheit).

Ich denke er ist wieder alkoholiker meine Mutter meint nicht. Weil er ja nicht so ist wie damals (noch nicht sage ich aber).

Wenn er trinkt ist er nicht Mer der gleiche. Manchmal einfach lustig und manchmal nicht ertragbar.

Er meint wir sind alle gegen ihn und haben ihn nicht gerne.

Was können wir tun um ihm zu helfen ? Warten bis es noch schlimmer und mehr wird ?

Heute Morgen habe ich ihn um 10.30 mit einem feldschlössli erwischt. Er trinkt eigentlich gar kein Bier nur Wein.

Ich weiß er ist krank aber einfach nur abwarten bis er es selber merkt ist echt schwierig.

Danke fürs lesen

SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Hallo Sonnenschein222, willkommen in unserem Forum!

Sie schreiben von Ihrem Vater, der nach einer alkoholfreien Zeit etappenweise wieder mit dem Trinken angefangen hat. Längere Zeit hielt sich die Konsummenge im moderaten Rahmen von ein bis maximal zwei Gläsern. Nun haben Sie aber festgestellt, dass die Trinkmenge seit der Pensionierung grösser wurde.

Zu beobachten, wie der Vater zunehmend faul, lust - und irgendwie antriebslos geworden ist, bereitet Ihnen Sorgen. Sie befürchten, er trinke wieder regelmässig zu viel. Ihre Mutter hingegen teilt diese Meinung nicht, da sie einen Unterschied zu früher sieht. Da stellt sich die Frage, ob Sie einfach zuwarten müssen, bis sich die Situation verschlimmert oder ob es eine Möglichkeit gibt, dem Vater zu helfen.

Aus der Distanz ist eine Einschätzung, wie es um Ihren Vater tatsächlich steht, nicht möglich. Vielleicht sehen Sie zu schwarz, und er hat den Alkoholkonsum ganz gut im Griff? Eventuell ist für Ihre Mutter die Vorstellung, die schwierige Zeit mit einem Alkoholiker könnte sich wiederholen, so erschreckend, dass sie lieber die Augen zumacht und banalisiert? Oder könnten die geschilderten Anzeichen womöglich darauf hinweisen, dass der Vater auf eine Depression zusteuert? Ich weiss es nicht.

Fakt ist aber, dass Ihnen das vermehrte Trinken und die Veränderungen auffallen und Sie das zutiefst beunruhigt. Es ist toll und beeindruckend, dass Sie nicht einfach wegschauen, sondern Ihre Eindrücke ernst nehmen und aktiv nach Lösungen suchen.

Liebevoll geäusserte Besorgnis aus dem nahen Umfeld kann Betroffene dazu motivieren, ihren Konsum und ihr Verhalten zu überdenken und allenfalls die Bereitschaft für erste Schritte in Richtung einer Veränderung wecken. Daher wäre bestimmt sinnvoll und empfehlenswert, mit dem Vater über das, was Sie beobachten und Sie mit Besorgnis erfüllt, zu reden.

Einen möglichen Rückfall anzusprechen, ohne dass die Betroffenen abwehrend, verletzt oder gar wütend und beleidigend reagieren, ist für Angehörige meist eine recht grosse Herausforderung. Es lohnt sich, ein paar grundlegende Regeln einzuhalten, weil das Thema doch ziemlich sensibel ist. Statt Erwartungen zu formulieren, Druck auszuüben oder Vorwürfe zu machen ist besser, einen verständnisvollen, ruhigen Ton und bedachte Worte zu wählen. So kann das Gesagte besser aufgenommen werden.

Damit ein solches Gespräch möglichst gut gelingt und sich der Vater weder angegriffen, ungeliebt und unverstanden noch in seiner Autonomie eingeschränkt fühlt, ist eine gute Vorbereitung hilfreich. Wenn Sie dabei Unterstützung wünschen, schlage ich vor, sich bei unserer Mailberatung zu melden, um sich im Austausch mit einer Fachperson entsprechend vorzubereiten.

Wer von unseren Userinnen und Usern kennt die Situation eines Rückfalls von Angehörigen aus eigener Erfahrung? Welche Formen von Hilfsangeboten und Unterstützung wurden gut angenommen und trugen zu einer Veränderung bei? Worauf sollte besonders sorgfältig geachtet werden? Teilt doch bitte Sonnenschein222 Eure Anregungen, Überlegungen und Tipps hier im Forum mit!


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