Newsletter | 12.2017

Guten Tag!

Das Thema Cannabis sorgt immer wieder für kontroverse Diskussionen. Gleichzeitig ist die Auseinandersetzung mit der am häufigsten konsumierten illegalen Substanz in der Schweiz oftmals von Halbwissen geprägt. Wann ist Kiffen legal? Was ist der Unterschied zwischen THC und CBD? Darf man Cannabis zu medizinischen Zwecken rauchen? Wir räumen mit den Missverständnissen auf und präsentieren Ihnen fünf Fakten, die Sie rund um Cannabis kennen sollten.

Cannabis ist auch in der Online-Beratung von SafeZone.ch Thema. Laut einer neuen Studie des BAG betrifft jede fünfte Anfrage den Cannabiskonsum. Rund die Hälfte der ratsuchenden Personen sind Direktbetroffene. Ein Berater von SafeZone.ch erklärt, was ihre Beweggründe sind und wie sich die Cannabis-Beratung von anderen Beratungen unterscheidet.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und frohe Festtage!

Alwin Bachmann, Lucia Galgano, Salomé Steinle
Projektleitung SafeZone.ch

CBD-Gras

Fakten zu Cannabis

1. Cannabis, Marihuana und Haschisch bedeuten nicht dasselbe.
Cannabis ist das lateinische Wort für Hanf. Der Begriff wird oftmals umfassend für Hanfpflanzen und -produkte genutzt. Als Marihuana oder Gras bezeichnet man die getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze. Meistens wird Marihuana als Joint geraucht. Haschisch ist das Harz, das die weiblichen Blüten der Hanfpflanzen absondern. Es wird durch Abstreifen gewonnen und gepresst.

2. Jede dritte Person in der Schweiz hat Erfahrung mit Cannabis.
Cannabis ist die mit Abstand beliebteste illegale Droge der Schweiz. Laut Studien haben mehr als ein Drittel der Personen ab 15 Jahren Erfahrung mit Cannabis. Aktuell konsumieren in der Schweiz rund 222'000 Personen aktiv. Die Mehrheit der Cannabisgebrauchenden ist unter 35 Jahre alt und männlich. Der Konsum ist seit 15 Jahren stabil.

3. Cannabis mit einem THC-Gehalt unter 1 Prozent ist legal.
In der Schweiz fällt Cannabis mit einem Tetrahydrocannabinol-Gehalt (THC) unter 1 Prozent nicht unter das Betäubungsmittelgesetz und darf deshalb legal angebaut werden. Der Verkauf hingegen ist meldepflichtig. Legaler Cannabis weist in der Regel einen THC-Gehalt von 0,3 bis 0,7 Prozent auf. Beim berauschend wirkenden Cannabis kann der THC-Gehalt bis 20 Prozent und mehr betragen.

4. CBD-Cannabis und THC-reiches (illegales) Cannabis sind vom Aussehen und Geruch her nicht zu unterschieden – aber von der Wirkung.
CBD (Cannabidiol) ist neben THC das am zweitstärksten konzentrierte Cannabinoid der Hanfpflanze. Im Gegensatz zu THC bewirkt es keinen Rausch. CBD-haltige Produkte liegen in der Schweiz im Trend und werden sogar im Detailhandel verkauft. Das Angebot umfasst eine breite Palette an Produkten, darunter bereits gedrehte Zigaretten.

5. Medizinisches Cannabis
Die medizinische Anwendung von Cannabis ist bewilligungspflichtig. Für eine beschränkte medizinische Anwendung kann das BAG jedoch Ausnahmebewilligungen erteilen. Ausnahme bildet das zugelassene Arzneimittel Sativex®, das synthetisches THC und CBD enthält. Gemäss Studien wirkt Cannabis insbesondere bei chronischen Schmerzen und Spastik bei Multipler Sklerose.

Cannabis, Marihuana

Cannabis in der Online-Beratung - ein Thema?

SafeZone-Manuel (Nickname), Berater bei SafeZone.ch, gibt Auskunft

Was bewegt die UserInnen, was die Angehörigen, die Anfragen zu Cannabis schreiben?

SafeZone-Manuel: Die Cannabiskonsumierenden, die ich bisher in der Mailberatung hatte, kann ich grob in zwei Gruppen unterteilen. Da sind zum einen eher jüngere, die sich fragen, ob ihr Konsum noch unbedenklich ist oder ob sie bereits eine Abhängigkeit entwickelt haben. Die zweite Gruppe von Konsumierenden ist altersmässig gegen Ende zwanzig, Anfang dreissig. Sie wollen aufgrund ihrer Lebenssituation (z. B. Vorbereitung auf wichtige Prüfungen) mit dem Kiffen aufhören und müssen feststellen, dass dies schwieriger ist als gedacht.
Daneben gibt es noch vereinzelt Anfragen, wie man – aus verschiedenen Gründen – legal zu Cannabis kommen kann. Bei den Angehörigen handelt es sich in den meisten Fällen um Eltern von heranwachsenden Kindern. Sie haben selber keine Erfahrung mit Cannabis und wollen sich über die Substanz und die Gefährdung ihrer Kinder informieren. Sie möchten auch wissen, wie sie ihre Kinder dazu bringen können, den Konsum aufzugeben.

Gibt es Unterschiede in der Beratung zu Cannabis gegenüber anderen Substanzen?

Das Durchschnittsalter der Konsumierenden, die sich wegen Cannabis an SafeZone.ch wenden, ist sicher tiefer als das Durchschnittsalter der Ratsuchenden mit Alkoholproblemen. Und die Angehörigen sind meistens Eltern, während sich bei Alkohol mehrheitlich Partnerinnen und Partner melden. Ansonsten könnte ich keine signifikanten Unterschiede benennen.

Wie unterscheidet sich die Mail-Beratung von Cannabis zur Face-to-Face-Beratung?

Die Fragestellungen in der Mailberatung sind praktisch identisch mit den Fragestellungen in der Face-to-Face-Beratung. Zusätzlich hat man in der Face-to-Face-Beratung mit Jugendlichen zu tun, die von Eltern, Schulen, Jugendanwaltschaft oder anderen Stellen in die Beratung geschickt werden, also nicht von sich aus kommen.

Beratung bei Cannabiskonsum

Studie bestätigt Relevanz von Cannabis in der Online-Beratung

Die Inhaltsanalyse einer noch unveröffentlichten Studie zur Anwendung von Wirkfaktoren in der Mailberatung von SafeZone.ch zeigt, dass rund ein Fünftel aller substanzgebundenen Beratungsanfragen Cannabis betreffen. Bei den 13- bis 25-Jährigen macht Cannabis gar die Mehrheit der Anfragen aus.

Relevanz von Cannabis in der Online-Beratung
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Knapp die Hälfte aller ratsuchenden Personen sind Direktbetroffene (48%). Die restlichen Anfragen kommen mehrheitlich von Angehörigen (46%). Zu diesen gehören (in abnehmender Häufigkeit) Partnerinnen und Partner, Eltern, Kinder sowie weitere Verwandte. Aufgrund ihrer engen Beziehung zur direktbetroffenen Person wurden FreundInnen/Peers auch als Angehörige gezählt.

Direktbetroffene vs. Angehörige
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Die Studie „Anwendung von Wirkfaktoren in der Mailberatung von SafeZone.ch“ wurde 2017 von der socialdesign ag im Auftrag des BAG durchgeführt. Dazu wurden 1’113 anonymisierte Beratungen (mit einem oder mehreren Mailkontakten) analysiert. Die Studie wird im Februar 2018 publiziert.

Im Fokus: CANreduce

CANreduce

CANreduce ist das erste Selbsthilfeprogramm zur Reduktion von Cannabiskonsum in der Schweiz und umfasste in seiner ersten Version Selbsthilfe plus begleitende Chatberatungen mit Suchttherapeutinnen und -therapeuten. In einer ersten Studie konnte im Jahr 2015 die Wirksamkeit des Programms in Bezug auf die Reduktion beziehungsweise die Abstinenz von Cannabiskonsum drei Monate nach Programmstart in einer kontrollierten Studie gezeigt werden. In der aktuellen Version, die im August 2016 online ging, wird der Einfluss von weiteren vielversprechenden Arten der persönlichen Betreuung in Ergänzung zur reinen Selbsthilfe untersucht. Zudem verfügt die aktuelle Version über eine neue Übersichtsseite, praxisbezogene Beispiele, die via wählbare fiktive Begleitpersonen vermittelt werden, sowie über zusätzliche Module wie etwa jenes zum Thema Cannabiskonsum und Schlafhygiene. Die Teilnahme bei CANreduce 2.0 ist weiterhin kostenlos. Das kurze Einführungsvideo erklärt, um was es geht.

www.canreduce.ch

CANreduce

Agenda

28. Dezember 18.30 Uhr
Moderierter Selbsthilfechat für Angehörige, Freunde und ArbeitskollegInnen von Suchtbetroffenen

28. Dezember 20.00 Uhr
Moderierter Selbsthilfechat für Betroffene mit einem Suchtthema

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