«SafeZone.ch ergänzt das vorhandene Angebot mit Online-Beratungen und deckt zudem alle Suchtformen ab.»

Fünf Fragen an Nicolas Dietrich, Suchtbeauftragter des Kantons Freiburg

 
Was hat den Kanton Freiburg dazu bewogen, beim Projekt SafeZone.ch mitzuwirken?

Kunden wie auch Patienten sind heute online unterwegs. Gleichzeitig steigt deren Bedürfnis, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen und selbst aktiv zu werden. Doch gerade das Internet birgt auch neue Verhaltenssüchte. In Bezug auf Spiel- oder Onlinesucht wissen wir, dass herkömmliche Unterstützungsangebote in Form von Anlaufstellen wenig genutzt werden. Wir müssen daher dort präsent sein, wo sich die potenziell unterstützungsbedürftigen Personen aufhalten, und die Möglichkeiten des Internets gezielt nutzen. Genau hier setzt SafeZone.ch an.
Als einzige gesamtschweizerische Plattform behandelt SafeZone.ch Suchtfragen in Deutsch, Französisch und Italienisch. Sie ermöglicht den Betroffenen, sich anonym und kostenlos an Fachleute zu wenden, und zwar per E-Mail, via Chatforum oder sogar im Rahmen einer persönlichen virtuellen Sprechstunde. Im Gespräch sollen Betroffene dazu bewegt werden, risikobehaftetes Konsumverhalten zu überdenken und bei Bedarf Hilfe zu holen. Erste Evaluationen des BAG haben gezeigt, dass dieses Angebot einem Bedürfnis entspricht. Für den Kanton Freiburg hat das Projekt deshalb Priorität.
Ich hoffe, dass sich noch weitere Westschweizer Kantone anschliessen, denn SafeZone.ch ist ein Vorzeigeprojekt für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Bund, Kantonen und Institutionen.

Welche Erwartungen haben Sie an dieses Projekt?

Ich hoffe vor allem, dass die Plattform für immer mehr Menschen eine erste Anlaufstelle ist. Das kontinuierliche Engagement seitens des BAG in den Bereichen Evaluation, Schulung und Kostenteilung sowie eine gute Zusammenarbeit zwischen Bund, Infodrog und Kantonen sind wichtige Voraussetzungen dafür. Das ist ja auch die Zielsetzung der Nationalen Strategie Sucht 2017–2024. Derzeit sind 18 Kantone am Projekt beteiligt und hoffentlich schliessen sich noch weitere an.

SafeZone.ch bietet ein Netzwerk für Fachleute. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Vorteile eines solchen Austausches, auch zwischen den verschiedenen Sprachgruppen und Arbeitskulturen?

Derzeit sind in der ganzen Schweiz rund 41 Fachleute an diesem Projekt beteiligt. Als gemeinsames Instrument, durch gemeinsame Schulungen, Koordinationssitzungen und Gruppenintervisionen bildet SafeZone.ch ein Netzwerk, das Fachwissen in der Schweiz verbindet. Ich bin überzeugt, dass dies nicht nur die Zusammenarbeit in Fachkreisen vereinfacht, sondern auch die Kompetenz der Online-Beraterinnen und -Berater erweitert. Suchtbetroffene und informationsbedürftige Personen profitieren bei der Beratung ganz direkt davon.

Welches sind in Ihren Augen die Vorteile und die Herausforderungen eines solchen Projekts?

SafeZone.ch ergänzt das vorhandene Angebot mit Online-Beratungen und deckt zudem alle Suchtformen ab. Als Alternative zu herkömmlichen Behandlungs- und Beratungsangeboten können Betroffene sich jederzeit anonym und kostenlos beraten lassen und sich mit anderen Betroffenen austauschen. Ein weiterer Vorteil der Plattform ist, dass sie sich auch an Angehörige richtet, die sich oft hilflos fühlen, wenn sie mit Suchtproblemen konfrontiert werden.
Die ständige Anpassung an die Entwicklungen im Suchtbereich stellt in meinen Augen die grösste Herausforderung für SafeZone.ch dar. Die Online-Beratungen geben Aufschluss darüber, welche Bedürfnisse die Menschen heutzutage rund um Sucht haben. Aus Sicht der Kantone ist dieser Aspekt sehr wichtig, denn so werden zusätzliche Erkenntnisse gewonnen, die wiederum helfen, die richtigen Prioritäten im Suchtbereich zu setzen.

Welche Faktoren waren von Bedeutung, um die Fachleute und Institutionen für eine Mitwirkung zu gewinnen?

Bei einer ersten Konsultation bekundeten bereits alle Freiburger Institutionen ihr Interesse an diesem Projekt. Die Institutionen sind bestrebt, möglichst praxisnahe Angebote umzusetzen, und haben das Potential von SafeZone.ch rasch erkannt. Zudem können anhand der Plattform auch bestehende Behandlungsangebote bekannter gemacht werden. Das Projekt setzt jedoch die Bereitstellung von personellen Ressourcen voraus. Der finanzielle Beitrag des Kantons (0,1 VZÄ) sowie eine gewisse Sicherheit durch einen Leistungsauftrag waren deshalb entscheidende Faktoren.