Suchtberatung online bei Alkohol- und Drogenproblemen - Newsletter Mai 2018 - SafeZone.ch

Newsletter | 05.2018

Editorial

Selbsthilfe ist ein wichtiger Bestandteil der Suchthilfe. Aus diesem Grund bietet SafeZone.ch neben Mailberatungen und Chat-Sprechstunden auch von Fachpersonen moderierte Gruppenchats an, die den Austausch unter Betroffenen ermöglichen. Die Angebote der gemeinschaftlichen Selbsthilfe und der Suchthilfe ergänzen sich gegenseitig und tragen dazu bei, dass durch Sucht gefährdete oder davon betroffene Menschen die für sie geeignete Unterstützung erhalten. Die Selbsthilfechats können dabei sowohl von Betroffenen wie auch von Angehörigen genutzt werden.

Das Internet bietet als virtueller Raum neue Möglichkeiten für Selbsthilfegruppen. Selbsthilfe Schweiz arbeitet eng mit SafeZone.ch zusammen und zeigt in diesem Newsletter die zunehmende Bedeutung von Online-Gruppenangeboten auf. Zudem gibt Selbsthilfe Bern Einblicke, wie ein Selbsthilfechat funktioniert. Daneben wird auch die Mailberatung von SafeZone.ch unter die Lupe genommen. Laut einer neuen Studie zeichnen sich Mailberatungen von SafeZone.ch durch einen ressourcen- und lösungsorientierten Beratungsansatz aus und fokussieren auf die Ko-Produktion durch die Fachperson und die ratsuchende Person. Das Angebot weist eine einheitliche Beratungspraxis auf und erreicht damit ein breites, heterogenes Publikum.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine abwechslungsreiche Lektüre.

Alwin Bachmann, Lucia Galgano, Alberto Marcacci
Projektleitung SafeZone.ch

SafeZone.ch: Infografik 2018

Bericht Wirkfaktoren

Anonyme Suchtberatung über geschütztes E-Mail: Diese relativ junge Beratungsform hat das Internetportal SafeZone.ch in den Jahren seit 2014 etabliert. Aber welche Suchtverhaltensweisen werden in den Mailberatungen überhaupt thematisiert? Wie verlaufen die Onlineberatungen? Und wie gestalten die Fachpersonen die Mailberatung, damit Suchtprobleme angegangen werden können? Oder anders gefragt: Welche Wirkfaktoren werden in der Mailberatung von SafeZone.ch angewandt? Antworten auf diese Fragen liegen in einer neuen Studie vor, welche socialdesign ag im Auftrag des BAG durchgeführt hat. Die Studie beinhaltet zudem praxisorientierte Empfehlungen, wie sich anhand der Anwendung der Wirkfaktoren der Erfahrungsaustausch unter den Fachpersonen und die Qualität der Onlineberatung weiterentwickeln lassen. Nachstehend ein Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse.

Kurzbericht
Ganzer Bericht (siehe unter «Dokumente»)

Bericht Wirkfaktoren

Interviews zur Online-Selbsthilfe

Im Bereich der Onlinehilfe setzt Selbsthilfe Schweiz auf das Angebot von SafeZone.ch. Pascal Pfister, Mitarbeiter Kommunikation bei Selbsthilfe Schweiz erklärt, warum die Präsenz im Web so wichtig ist und welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind. Adrienne Scheurer-Villet, Co-Fachleiterin von Selbsthilfe Bern und Moderatorin von Selbsthilfechats auf SafeZone.ch, gibt Einblicke in den virtuellen Austausch und erläutert die wesentlichen Unterschiede zu einer Sitzung im Face-to-face-Setting.

SafeZone.ch: Welche Chancen beinhaltet die digitale Entwicklung für die Selbsthilfe?

Pascal Pfister: Gemeinschaftliche Selbsthilfe ist sehr vielseitig und kann unterschiedliche Formen annehmen. Im Kern geht es darum, dass sich Menschen mit dem gleichen Problem oder mit gemeinsamen Anliegen zusammenschliessen, um sich gegenseitig auszutauschen und zu unterstützen. Die virtuelle Ebene bietet dabei zusätzliche Möglichkeiten. So können sich Selbsthilfegruppen auch im virtuellen Raum zusammenschliessen.

SafeZone.ch: Sehen Sie in dieser Entwicklung auch Herausforderungen für die Selbsthilfe? Wie können diese angegangen werden?

Pascal Pfister: Die Menschen verbringen heute viel Zeit online. Die Selbsthilfe muss deshalb auch hier präsent sein. Wir arbeiten kontinuierlich an einem guten Internetauftritt und versuchen, auch über Social Media Menschen zu erreichen. Ab Mai bieten wir unter selbsthilfe-chats.ch neu Chats an. Damit schaffen wir eine weitere Plattform für Online-Interaktionen und virtuelle Selbsthilfegruppen.

SafeZone.ch: Welche Zielgruppe erreichen Sie mit Ihrem Onlineangebot?

Pascal Pfister: Die Onlineangebote sind schneller und unkomplizierter zugänglich. Und sie sind unabhängig vom geografischen Ort. Deshalb sind Livechats gerade auch eine Chance für Menschen, die sich physisch nur mit grösserem Aufwand treffen könnten. Zudem hoffen wir, dass sich jüngere Menschen eher getrauen, sich an einer Online-Selbsthilfegruppe zu beteiligen.

SafeZone.ch: Sie arbeiten mit SafeZone.ch zusammen. Was sind für Sie die Vorteile dieser Zusammenarbeit?

Pascal Pfister: SafeZone.ch hat viel Erfahrung und eine gute Infrastruktur. Für uns ist es effizient, dass wir unser Angebot darauf aufbauen können. Ein Alleingang wäre für uns keine Option gewesen. So oder so ist gerade online die Vernetzung der verschiedenen Angebote ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Selbsthilfe

SafeZone.ch: Mit welchen Anliegen kommen die Ratsuchenden in die Selbsthilfechats von SafeZone.ch?

Adrienne Scheurer-Villet: Auf SafeZone.ch bieten wir aktuell Chats für Betroffene und Angehörige zum Thema Abhängigkeit an. In beiden Chats steht der Wunsch nach einem Austausch mit Gleichbetroffenen im Vordergrund. Wie geht es anderen in ähnlichen Situationen? Wie wurden die Situationen bewältigt? Was ist im Moment schwierig und wie könnte ein nächster Schritt aussehen? Das sind die Fragen, welche die ChatbesucherInnen beschäftigt.

SafeZone.ch: Wie läuft ein solcher Selbsthilfechat ab?

Adrienne Scheurer-Villet: Die ChatbesucherInnen loggen sich im vorgegebenen Zeitfenster ein und werden von mir als Moderatorin begrüsst und willkommen geheissen. Als nächstes schauen wir, welche Fragen und Themen gerade am meisten beschäftigen – um dann gemeinsam festzulegen, welche wir zuerst anpacken. Oft ist es auch so, dass ein Teilnehmender eine konkrete Frage hat und aus den Erfahrungen der Gruppe eine Rückmeldung kommt. Dabei öffnet sich das Feld für einen regen Austausch aller Teilnehmenden. Es kommt vor, dass Leute den Chat vor Ablauf der Zeit wieder verlassen wollen oder müssen. In diesem Fall verabschieden sie sich – so wie es auch in einer realen Gruppe geschieht.

SafeZone.ch: Worin sehen Sie die grössten Chancen und Herausforderungen in der Online-Selbsthilfe?

Adrienne Scheurer-Villet: Teil unseres Auftrages ist, Menschen mit ähnlich gelagerten Schwierigkeiten zusammenzubringen und ihnen den Austausch zu ermöglichen. Die Treffpunkte in der virtuellen Welt müssen wir dabei auch miteinbeziehen. Es ist eine grosse Chance, dass Menschen via Internet virtuelle Angebote zu ihrem Thema finden. Der Chat ist eines dieser Angebote und bietet einen niederschwelligen Eintritt in eine Selbsthilfegruppe. Die Herausforderung besteht unter anderem darin, den Austausch durch eine gute Moderation zu fördern, dabei die Kompetenzen der Teilnehmenden zu achten und ihre Anonymität zu schützen. Für viele Menschen ist es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, sich ausser Haus mit anderen Betroffenen auszutauschen. Diesen Menschen bietet der Chat neue Möglichkeiten.

SafeZone.ch: Wie unterscheidet sich eine Online-Selbsthilfegruppe von einer realen Gruppe?

Adrienne Scheurer-Villet: Der virtuelle Austausch beschränkt sich auf die schriftliche Sprache, die in Hochdeutsch und nicht Dialekt verfasst wird. Hinzu kommt, dass die Teilnahme am Chat einen Computer oder ein mobiles Gerät voraussetzt. Für den Austausch per Chat sind demnach Schriftsprachen- wie auch Computerkenntnisse nötig. Die Teilnahme ist unverbindlich, ein Ausstieg ist jederzeit per Mausklick möglich. In der klassischen Selbsthilfegruppe ist ein Austausch mit allen Sinnen möglich. Der persönliche Kontakt zu einzelnen Teilnehmenden und zur Gruppe ist wichtig. Beziehungen entstehen und das soziale Netz wird erweitert. Die Menschen raffen sich auf, bewegen sich, engagieren sich und werden dabei zu aktiven Mitgestaltenden. Gemeinschaft und gute Erlebnisse beeinflussen das Wohlbefinden nachhaltig positiv.

SafeZone.ch: Welches Fazit ziehen Sie aus Ihren Erfahrungen als Moderatorin von virtuellen und klassischen Selbsthilfegruppen?

Adrienne Scheurer-Villet: Jene Menschen, die sich aktiv in den Chats austauschen, sind sehr froh über diese Möglichkeit. Bei schambehafteten Themen, zu welchen ich auch die Themen der Suchtbetroffenen und deren Angehörigen zähle, ist der Chat oftmals eine der wenigen Möglichkeiten, sich anonym auszutauschen und darüber zu schreiben. «Reden hilft» ist ein Leitsatz der gemeinschaftlichen Selbsthilfe – und «Schreiben hilft» so einer der virtuellen Selbsthilfe. Ich bin überzeugt, dass beides kurz- und längerfristig wirkt.

Im Fokus

Selbsthilfe Schweiz

Selbsthilfe Schweiz setzt sich ein für die Stärkung der gemeinschaftlichen Selbsthilfe – unabhängig von Thema, Form und Organisation. Ziel ist, dass durch Selbstverantwortung und gegenseitige Unterstützung die Selbstkompetenz und Selbstbestimmung gestärkt und damit die Lebensqualität und gesellschaftliche Integration der Menschen in schwieriger Lebenslage verbessert wird.

www.selbsthilfeschweiz.ch

Selbsthilfe Schweiz

Agenda

24. Mai, 20.00 Uhr
Moderierter Selbsthilfechat für Betroffene mit einem Suchtthema

05. Juni, 20.00 Uhr

Moderierter Selbsthilfechat für Angehörige von Suchtbetroffenen

07. Juni, 20.00 Uhr

Moderierter Selbsthilfechat für Betroffene mit einem Suchtthema

17. Juli, 20.00 Uhr

Moderierter Selbsthilfechat für Angehörige von Suchtbetroffenen

19. Juli, 20.00 Uhr

Moderierter Selbsthilfechat für Betroffene mit einem Suchtthema

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