Ist das Craving bei alkoholentzug vergleichbar mit dem verlangen nach einer zigarette wenn man aufhört oder noch schlimmer?

SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Sie fragen sich, ob das Craving, das starke Verlangen nach dem Suchtmittel, beim Alkoholkonsumstopp oder beim Rauchstopp schlimmer ist. Leider kann man diese Frage nicht so eindeutig beantworten und ich erlaube mir, etwas weiter auszuholen. Durch den Konsum von Alkohol und auch Zigaretten wird das Belohnungssystem im Gehirn angeregt. Es wer-den Stoffe freigesetzt, die ein gutes Gefühl hervorbringen. Der Konsum wird daher als wohltuende Handlung gespeichert. Wird diese Handlung häufig wiederholt, passt sich der Körper z.B. der Stoffwechsel im Gehirn an. Es findet also ein Lernprozess statt, der sich auf bestimmte Umstände und Gefühlszustände bezieht und diese mit dem Suchtmittel verknüpft z.B. der Duft von Kaffee erzeugt Lust auf eine Zigarette, das Gefühl von innerer Anspannung nach der Arbeit auf ein Bier. Auch wenn sich noch keine Abhängigkeit, sondern erst eine Gewohnheit gebildet hat, kann man diese Verknüpfung schon wahrnehmen. Je stärker die Abhängigkeit und somit die körperliche Anpassung an das Suchtmittel ist, desto stärker wird das Verlangen, das sogenannte Craving, wenn kein Konsum möglich ist. Insbesondere bei Gefühlslagen und Umständen, die bisher mit dem Konsum verknüpft waren, ist dies der Fall. Das Craving ist während und kurz nach dem Entzug am häufigsten und am stärksten, kann aber auch später immer wieder unverhofft auftauchen. Es kann zeitweise gar nicht oder kaum vorhanden sein und dann wieder als ausgesprochen stark erlebt werden. Je länger der Abstand zum letzten Konsum ist, desto schwächer und seltener wird das Craving. Generell ist es gut, sich zu überlegen, wie man darauf reagieren möchte, wenn es auftaucht. Je mehr Ideen man hat, desto einfacher wird der Umgang damit. Eine Liste mit Tätigkeiten kann hier hilfreich sein und die Entscheidung gegen den Konsum vereinfachen. Craving ist immer unangenehm und herausfordernd, ob nach dem Rauchstopp oder dem Trinkstopp. Die Konsequenzen, ob man dem Verlangen nachgibt, sind nur in der Regel unterschiedlich. Fängt man wieder an zu rauchen, ist das ärgerlich und ungesund, vielleicht peinlich, fängt man nach einem Entzug wieder an zu trinken, bricht für die Angehörigen vielleicht eine Welt zusammen, riskiert man den Job zu verlieren, Freund:innen, die Partnerschaft, Hoffnung und Selbstwertgefühl.

Es kann motivierend und unterstützend sein, sich nach dem Entzug von Alkohol und/oder Zigaretten begleiten zu lassen. Eine Suchtberatung in der Nähe des Wohnortes findet man unter: https://suchtindex.infodrog.ch/de


Mehr Fragen zu Alkohol

Alkohol hilft mir bei Stress bei der Arbeit. Muss ich schon wieder den Job wechseln...? Doch welcher Job ist stressfrei?

Mein Partner kokst. Er sagt, dass er damit aufhören möchte, aber er kann nicht. Das macht mich immer so unendlich traurig. Ich möchte ihm helfen, weiss aber nicht wie.

Ich konsumiere seit 10 Jahren Amphetamin und mittlerweile ca. ein halbes Gramm pro Tag. Ich habe es satt und möchte ein Hallo erstmal. Ich beziehe mich auf das im Titel angegebene Thema und möchte mich bei euch bedanken für die Ratschläge vor einigen Jahren. Gleichzeitig mein aktuellen Stand berichten und vlt kann ich einigen da draussen weiterhelfen. Nun mittlerweile bin ich seit über 3 Jahren völlig clean vom Amphetamin. Ich habe im 2018 einen kalten Entzug gemacht zu Hause (war nicht gerade die beste Zeit meines Lebens) und dadurch leider den Job verloren. Nichts desto trotz habe ich weiterhin durchgehalten. Am Anfang hat sich die Sucht verlagert auf Alkohol bis es total ausser Kontrolle geriet (bis zu 2 liter Schnaps im Tag) und ich einen Alkoholentzug in der PSA Wattwil gemacht habe. Seither habe ich das Thema Alkohol im Griff, gelegentlich ein Bier und das wars, jedoch ging ich danach in die Tagesklinik in Uznach SG, was total befremdlich war und ganz ehrlich meine Psyche total entstabilisiert hat ohne das ich es mitbekommen habe. Für mich war die ganze Welt neu und ich kam mir vor wie auf Droge nach so vielen Jahren permanentem Konsum. Daher kann ich persönlich jedem empfehlen auf gewisse Institutionen zu verzichten und andere Lösungen zu finden ausnahme ist die PSA in Wattwil, das war eine der lehrreichsten Zeit meines Lebens und das Team ist erfahren wie auch wohlwollend. Was ich von der Klinik Süd nicht behaupten kann. Naja es war eine sehr schwere Zeit. In der Zwischenzeit wurde ein sehr ausgeprägtes ADHS bei mir diagnostiziert und es wurde mir diverse Metylphendidate wie Ritalin, concerta und Focalin gegeben. Natürlich erst das eine, ohne wirkung, das nächste usw.. Ich bin mittlerweile immer noch ohne Arbeit da ich mein Leben nicht mehr so im Griff habe wie mit den Amphetaminen. Naja, ich habe das eine Übel gegen ein anderes eingetauscht. Sobald ich in leicht stressige Situationen gerate kommt auch 3 Jahre später der Suchtdruck weiss nicht ob sich das jemals ändern wird oder ob man einfach lernen muss damit zu Leben. Aber manchmal muss man halt alles verlieren bevor gewisse Änderungen möglich sind. Dafür habe ich eine liebe Partnerin gefunden welche mir trotz meiner Geschichte beisteht und mich unterstützt. Nun mein Tipp an betroffene. Mich persönlich hat mein Hund gerettet. Jeden Tag mehrfach Gassi gehen und viel in der Natur sein zum Energie tanken (und nein ich bin nicht esoterisch veranlagt) Alte Kontakte überdenken und vlt die Frage stellen wer ist wirklich Freund und wer nicht, so hat sich mein ganzes Leben schritt für schritt verändert. Es ist ein langer und anstrenger Weg und vorallem an die welche beruflich erfolgreich sind mit täglichem Drogenkonsum, man sollte sich mal alles überdenken und sich selber Fragen ob es das Wert ist. Es wird nie mehr so sein wie vorher, bedeutet aber nicht das es schlechter ist,auf jeden Fall gesünder. Liebe Grüße und bleibt gesund White010

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