In unserem Freundeskreis haben wir einen langjährigen "Schulkumpel", bei dem wir ein Alkoholproblem festgestellt haben. Einer unserer Freunde hat dies vor einigen Monate bei einem Telefonat bemerkt. Unser Freund konnte sich kaum noch artikulieren. So haben wir im Freundeskreis begonnen, uns mit der Sache zu beschäftigen und dem nach zu gehen. In Gesprächen mit der Familie haben wir nun herausgefunden, dass das Thema schon seit 2 Jahren bekannt ist, aber total vermutlich schon > 5 Jahre ein Thema ist. Uns gegenüber hat der Freund eine Kulisse aufrechterhalten. Vor kurzem haben wir es geschafft ihn aus seiner Wohnung zu holen und in eine Therapie zu bringen. Er hat diese aber abgebrochen. Wir haben den Eindruck, dass er den Ernst der Lage immer noch nicht erkennt. Wir haben auch feststellen müssen, dass ganze viele Geschichten aus den letzten Jahren schlicht gelogen waren. Unser Freund hat versucht ein Bild abzugeben und es aufrecht zu erhalten - sei es bezüglich Beruf, Vermögen oder Frauen/Sexualleben. Die Frau an seiner Seite hat aufgegeben und sich getrennt. Die Schwester ist extra in die Nähe gezogen, kommt aber auch nicht zu Ihrem Bruder durch. Wir Freunde fragen uns nun, wie wir mit der Sache am Besten umgehen. Wir wissen nun von den Lügen und diese hören auch nicht auf. Wir fragen uns, ob wir mehr Klartext reden müssen, Grenzen ziehen müssen, klare Veränderungen einfordern müssen. Oder ob es richtig ist zu helfen, obwohl Therapien immer wieder abgebrochen werden. Wir wollen ganz klar helfen. Aber wir haben das Gefühl, dass es nichts bringt solange unser alter Freund seine Situation nicht erkennt und einsieht, dass es eine längere Therapie braucht. Wir glauben, dass nicht nur der Alkoholismus therapiert werden muss, sondern auch was dahintersteckt. Wir gehen von einer Depression aus, z.B. aufgrund unverarbeiteter Geschichten in der Familie und nicht eingetretener Karrierevorstellungen.

SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Ich bin beeindruckt von Ihrem Engagement. Sie sind wirklich sehr loyale und hilfsbereite Freunde. Sie haben es sogar geschafft, Ihr gemeinsames Sorgenkind in eine Therapie zu bringen. Er jedoch hat diese abgebrochen. In einer solchen Therapie wird nicht nur das Suchtproblem angeschaut, sondern auch alle anderen Lebensthemen kommen zur Sprache. Dies ist ein anspruchsvoller Prozess, für den es eine gewisse Motivation braucht.

Wie Sie schon selbst vermuten, scheint Ihr Freund noch nicht bereit zu sein, sich auf eine solche Therapie einzulassen. Daher können Sie ihm nicht in dem Sinne helfen, wie Sie das gerne möchten.

Er scheint sehr gekränkt zu sein, dass er in seinem Leben nicht das erreicht hat, zu dem er sich als junger Mann befähigt fühlte. Vielleicht schämt er sich Ihnen allen gegenüber, nicht das tolle Leben zu führen, das er eigentlich angestrebt hatte. Er hat mit Lügen versucht, diesen Eindruck noch aufrecht zu erhalten. Jetzt ist er auch noch in der Rolle desjenigen, um den sich alle sorgen und dem man helfen möchte. Möglicherweise eine weitere schwere Kränkung.

Ich könnte mir vorstellen, dass es Ihrem Freund guttun könnte, wenn er sich von Ihnen so akzeptiert fühlt, wie er aktuell ist, mit seinem wenig glanzvollen Leben und seiner Alkoholproblematik. Er hat ja die Erfahrung gemacht, auf Sie kann er zählen. Und wenn er bereit ist, einen Schritt weiter zu gehen, dann werden Sie das spüren. Sie tun viel für ihn, wenn Sie als Freundesgruppe den Kontakt aufrechterhalten und pflegen. Und wenn Sie nicht nur auf seine schwierigen Seiten schauen, sondern auf das, was Sie an ihm schätzen und was auch jetzt noch funktioniert.


Fragen von Angehörigen

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