Alkohol und Depressionen, Entzugserscheinungen: Ich bin seit einem Jahrzehnt ein Wochenendsäufer und nun abstinent. Ist es gefährlich, Speisen zu essen, die Alkohol enthalten?

Hallo zusammen

Ich (30/m) bin seit einem Jahrzehnt ein Wochenendsäufer. Ich habe ein Jahrzehnt lang fast jedes Wochenende zu viel Alkohol konsumiert. Nicht immer bis zum Rauschzustand, aber doch stetig erheblich zu viel. Der Konsum blieb über die Jahre hinweg relativ konstant (meist 3-4 Liter Bier). Als ich im letzten Jahr mein komplettes Leben neuorganisierte (Kündigung des Jobs und Trennung von langjähriger Freundin) hat sich mein Alkoholkonsum in deutlichem Masse gesteigert. Ich habe auf einer Reise drei Monate lang jeden Tag getrunken (nicht bis zum Exzess, aber 2-4 Biere täglich). Nach der Rückkehr habe ich wieder gearbeitet, unter der Woche nichts getrunken. Als ich mich trennte, schoss mein Konsum in die Höhe. Ich habe mich jedes Wochenende besoffen und begann auch unter der Woche zu trinken, um meinen Frust zu tilgen. Zwar nicht täglich und auch nicht mehr als 2-4 Biere, aber erheblich zu viel und zu regelmässig (ca. 3-4 Monate lang). Um Weihnachten herum kam der Zusammenbruch. Ich befürchtete eine Krebserkrankung, hatte eine Panikattacke und erhebliche Schlafprobleme (Durschschlafprobleme, die ich bis heute habe). Der Arzt stellte nichts fest, meine Blutwerte sind alle in Ordnung. Ich bin physisch topfit.

In der Folge habe ich einen Monat lang keinen Alkohol getrunken, aufgehört zu rauchen (ich bin gerade wieder Raucher, aber dieses Thema gehe ich in den kommenden Wochen an) und machte täglich Sport. Meine anfängliche innere Unruhe, die fast nicht aushaltbar war und die Depressionen (ich nahm dabei erheblich Gewicht ab) verflogen nach drei bis vier Wochen. An der Fasnacht dachte ich dann, alles sei wieder gut. Am schmutzigen Donnerstag hatte einen Filmriss (hatte ich bisher noch fast nie - respektive einen über einen längeren Zeitraum, trinke aber für gewöhnlich auch nicht Schnaps), am Samstag trank ich mehr oder weniger in Massen und am Montag hatte ich das Gefühl, einen leichten Kontrollverlust erlitten zu haben. Denn ich wollte eigentlich nicht so viel trinken. In den kommenden Tagen hatte ich Angstzustände und meine innere Unruhe trat wieder hervor. Seither habe ich abgesehen von zwei drei Bieren (wollte sehen, wie kritisch es ist) keinen Alkohol getrunken. Meine innere Unruhe bin ich losgeworden, ich habe viele Probleme, die mich bedrückt haben, aufgearbeitet.

Nach dem erneuten Auftreten meiner inneren Unruhe habe ich zum ersten Mal meinen Alkoholkonsum reflektiert und gemerkt, dass ich mich gemäss Selbstdiagnose im Anfangsstadium der Alkoholkrankheit befinde. Ich bin auf Reisen und habe mein Leben komplett umgestellt. Habe dazu einschlägige Literatur gelesen. Ich trinke keinen Alkohol mehr, mache Sport und ernähre mich gesund. Ich habe meinen Mindset zum Alkohol völlig geändert (ich habe grossen Respekt vor dieser Droge) und will künftig abstinent leben. Ich komme mit dieser Vorstellung einigermassen gut zurecht, auch dank der Literatur, die ich gelesen habe. Wie einfach das tatsächlich wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Während des ersten abstinenten Monats hatte ich nie das Bedürfnis nach Alkohol - ich war aber auch sehr abgelenkt durch die Beseitigung meiner depressiven Verstimmung. Seit mir bewusst ist, dass ich ein Alkoholproblem habe, hat sich dies geändert. Ich hatte in einer Bar plötzlich unbändige Lust, ein Bier zu trinken (hab das natürlich sein gelassen). Und spürte ein bis zwei Tage lang nach den bewusst getrunkenen drei Bieren, die ich an einem Abend hatte, wieder die innere Unruhe.

Nun kämpfe ich vor allem mit Selbstvorwürfen, damit muss ich aber wohl alleine fertig werden.

Meine Fragen: Ich weiss, die Unterscheidung zwischen körperlichen und psychischen Abhängigkeit ist müssig. Dennoch interessiert es mich, ob es rein physionomisch gefährlich ist, wenn ich beispielsweise Speisen esse oder Medikamente nehme (Johanniskrautpräparat, um Nerven zu stärken), die Alkohol enthalten (besteht ein körperlicher Zusammenhang mit der inneren Unruhe oder ist das rein psychisch?). Ich bin nach wie vor unsicher, ob mein Zusammenbruch eine rein alkoholische Ursache hatte und die innere Unruhe ein Entzugssymptom ist, oder ob die Mischung von Alkoholmissbrauch, Verdrängung der Trennung, ungewisse Zukunft zusammen zu den Symptomen geführt haben. Denn ich spüre derzeit auch, wenn ich zu viel Nikotin konsumiere. Aber alle Probleme kann ich leider nicht auf einmal lösen.

Vielen Dank für Eure Einschätzungen und beste Grüsse

SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Hallo giraffe und herzlich Willkommen im Forum von Safe Zone!

Zunächst einmal vielen herzlichen Dank für Ihren wirklich beeindruckenden Bericht! Sie schildern sehr anschaulich Ihre Probleme und wie Sie sie wieder in den Griff gekriegt haben. Das ist sicher eine wertvolle Unterstützung für andere User mit ähnlichen Problemen. Gratulation! Sie können sehr stolz auf sich sein!

Nun zu Ihren Anliegen und Fragen. Die Unterscheidung zwischen psychischer und physischer Abhängigkeit ist beim Alkohol nicht müssig, denn sie ist vorhanden. Bei Ihnen besteht sicher keine physische Abhängigkeit vom Alkohol mehr, da Sie mehr oder weniger abstinent leben, wie Sie schreiben. Also ist es rein körperlich nicht gefährlich, Präparate mit Alkohol zu sich zu nehmen, aber sie könnten ein Trigger sein und das Verlangen nach Alkohol kann wieder stärker werden. Wie Sie ja selbst erlebt haben nach drei Bieren, die Sie getrunken haben. Gerade Johanniskraut gibt es auch in Tablettenform ohne Alkohol. Also ich würde Ihnen zurzeit raten, auf Alkoholpräparate zu verzichten deswegen.

Und zu Ihrem Zusammenbruch denke ich nicht, das der rein dem Alkohol zuzuschreiben war, sondern Ihrer gesamten psychischen Verfassung PLUS zu viel Alkohol.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft auf Ihrem Weg! Bleiben Sie dran! :thumbsup:

Freundliche Grüsse

SafeZone Frieda


SafeZone.ch-User schreibt:

Hallo Frieda

Vielen Dank für die Antwort.

Ich weiss nicht, ob ich tatsächlich überhaupt mal physisch abhängig war, da ich ja eigentlich nie über einen längeren Zeitraum täglich getrunken habe. Ich weiss auch nicht, ob ich definitiv alkoholabhängig bin. Vieles ist bei mir psychisch bedingt, auch der "Saufdruck", da dieser erst aufgetreten ist, seit ich mich intensiv mit dieser Thematik befasse. Ich werde nun mal schauen, ob das Verlangen nach Alkohol abnimmt, wenn ich nicht ständig an dieses Thema denke (ich bin hypochondrisch veranlagt und bilde mir viele Symptome ein - das gefährliche bei Selbstdiagnosen). Eine gewisse psychische Abhängigkeit habe ich in den letzten Jahren sicher entwickelt (Rausch als Wochenendbeschäftigung) und ich muss schauen, ob ich je wieder ein Bier trinken kann (um gesellschaftlich nicht stigmatisiert zu werden). Mich beschäftigt es einfach sehr, ob die Angststörungen und die innere Unruhe, insbesondere nach der Fasnacht, als Entzugssymptome klassifiziert werden können. (ich hatte in der Folgezeit keinen Suchtdruck, eher panische Angst vor Alkohol) Falls ja, würde dies auf eine physische Abhängigkeit hinweisen. Verstehe ich das richtig?


SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Guten Tag Giraffe

Ich glaube eher nicht, dass die Angst und die innere Unruhe einfach Entzugssymptome waren, ich denke eher eine psychische Reaktion nach dem grossen Absturz und dem Filmriss. Es stimmt natürlich schon, je weniger Sie sich gedanklich mit dem Alkohol beschäftigen und sich sonst ablenken können, desto geringer wird wahrscheinlich das Verlangen danach.

Freundliche Grüsse

Safe-Zone Frieda


SafeZone.ch-User schreibt:

Wie höre ich auf zu trinken


SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Guten Tag Arnage51

Herzlich willkommen im SafeZone-Forum.

Sie stellen eine grundlegende Frage auf die es keine einfache Antwort gibt. Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen möchten, steht Ihnen die Mailberatung von SafeZone zur Verfügung.


SafeZone.ch-User schreibt:

Mein Partner Spiegeltrinker, er will einen Entzug machen weil das Alkoholproblem wurde zu gross. Jezt will er kämpfen. Ich bitte euch mir tipps zu geben, wie kann ich ihn unterstützen und was passiert bei einem entzug? Gibt es versch Möglichkeiten? Danke


SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Guten Tag 4Evergreen

Herzlich Willkommen im Forum von SafeZone

Sie haben offenbar einen Partner der Spiegeltrinker sei und er möchte nun gerne einen Entzug machen, und Sie möchten ihn dabei unterstützen. Dazu ist es am besten, sich beim Hausarzt zu melden, der ihn in eine Entzugsklinik einweisen kann. Dort ist man in einem geschützten Rahmen und erhält Medikamente gegen die allfälligen Entzugssymptome, zb. innere Unruhe, Zittern, Schlaflosigkeit. Wenn Sie ihn unterstützen möchten, ist es sicher gut, ihn zu so einem schwierigen Gespräch zu begleiten.

Hat jemand noch Erfahrungen gemacht, wie man vom Alkohol dauerhaft loskommen kann? Um Beiträge sind wir froh.

Wenn sie mehr Unterstützung brauchen können Sie sich auch an eine Suchtfachstelle in Ihrer Region oder an die Mailberatung von SafeZone wenden.

Freundliche Grüsse

SafeZone-Frieda


SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

SafeZone-Frieda schrieb:

Guten Tag 4Evergreen

Herzlich Willkommen im Forum von SafeZone

Sie haben offenbar einen Partner der Spiegeltrinker sei und er möchte nun gerne einen Entzug machen, und Sie möchten ihn dabei unterstützen. Dazu ist es am besten, sich beim Hausarzt zu melden, der ihn in eine Entzugsklinik einweisen kann. Dort ist man einige Wochen in einem geschützten Rahmen und erhält Medikamente gegen die allfälligen Entzugssymptome, zb. innere Unruhe, Zittern, Schlaflosigkeit. Wenn Sie ihn unterstützen möchten, ist es sicher gut, ihn zu so einem schwierigen Gespräch zu begleiten.

Hat jemand noch Erfahrungen gemacht, wie man vom Alkohol dauerhaft loskommen kann? Um Beiträge sind wir froh.

Wenn sie mehr Unterstützung brauchen können Sie sich auch an eine Suchtfachstelle in Ihrer Region oder an die Mailberatung von SafeZone wenden.

Freundliche Grüsse

SafeZone-Frieda


Mehr Fragen zu Alkohol

Mein Vater wurde vor 25 Jahren trocken. Seit er sich vor 2 Jahren hat pensionieren lassen, ist er faul und lustlos geworden und trinkt wieder Alkohol. Was können wir tun um ihm zu helfen? Warten bis es noch schlimmer und mehr wird?

Ich konsumiere seit 10 Jahren Amphetamin und mittlerweile ca. ein halbes Gramm pro Tag. Ich habe es satt und möchte ein Hallo erstmal. Ich beziehe mich auf das im Titel angegebene Thema und möchte mich bei euch bedanken für die Ratschläge vor einigen Jahren. Gleichzeitig mein aktuellen Stand berichten und vlt kann ich einigen da draussen weiterhelfen. Nun mittlerweile bin ich seit über 3 Jahren völlig clean vom Amphetamin. Ich habe im 2018 einen kalten Entzug gemacht zu Hause (war nicht gerade die beste Zeit meines Lebens) und dadurch leider den Job verloren. Nichts desto trotz habe ich weiterhin durchgehalten. Am Anfang hat sich die Sucht verlagert auf Alkohol bis es total ausser Kontrolle geriet (bis zu 2 liter Schnaps im Tag) und ich einen Alkoholentzug in der PSA Wattwil gemacht habe. Seither habe ich das Thema Alkohol im Griff, gelegentlich ein Bier und das wars, jedoch ging ich danach in die Tagesklinik in Uznach SG, was total befremdlich war und ganz ehrlich meine Psyche total entstabilisiert hat ohne das ich es mitbekommen habe. Für mich war die ganze Welt neu und ich kam mir vor wie auf Droge nach so vielen Jahren permanentem Konsum. Daher kann ich persönlich jedem empfehlen auf gewisse Institutionen zu verzichten und andere Lösungen zu finden ausnahme ist die PSA in Wattwil, das war eine der lehrreichsten Zeit meines Lebens und das Team ist erfahren wie auch wohlwollend. Was ich von der Klinik Süd nicht behaupten kann. Naja es war eine sehr schwere Zeit. In der Zwischenzeit wurde ein sehr ausgeprägtes ADHS bei mir diagnostiziert und es wurde mir diverse Metylphendidate wie Ritalin, concerta und Focalin gegeben. Natürlich erst das eine, ohne wirkung, das nächste usw.. Ich bin mittlerweile immer noch ohne Arbeit da ich mein Leben nicht mehr so im Griff habe wie mit den Amphetaminen. Naja, ich habe das eine Übel gegen ein anderes eingetauscht. Sobald ich in leicht stressige Situationen gerate kommt auch 3 Jahre später der Suchtdruck weiss nicht ob sich das jemals ändern wird oder ob man einfach lernen muss damit zu Leben. Aber manchmal muss man halt alles verlieren bevor gewisse Änderungen möglich sind. Dafür habe ich eine liebe Partnerin gefunden welche mir trotz meiner Geschichte beisteht und mich unterstützt. Nun mein Tipp an betroffene. Mich persönlich hat mein Hund gerettet. Jeden Tag mehrfach Gassi gehen und viel in der Natur sein zum Energie tanken (und nein ich bin nicht esoterisch veranlagt) Alte Kontakte überdenken und vlt die Frage stellen wer ist wirklich Freund und wer nicht, so hat sich mein ganzes Leben schritt für schritt verändert. Es ist ein langer und anstrenger Weg und vorallem an die welche beruflich erfolgreich sind mit täglichem Drogenkonsum, man sollte sich mal alles überdenken und sich selber Fragen ob es das Wert ist. Es wird nie mehr so sein wie vorher, bedeutet aber nicht das es schlechter ist,auf jeden Fall gesünder. Liebe Grüße und bleibt gesund White010

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