Meine Mutter ist Alkoholikerin, mein Vater streitet dies ab. Die Situation belastet mich sehr. Habt ihr Erfahrung damit? Was würdet ihr mir raten?

Guten Abend

Meine Mutter (72) hat seit vielen Jahren ein Alkoholproblem.

Als mein Vater (auch 72) noch berufstätig war, hat sie sich daheim zugedröhnt und meine Schwester (45) und mich (42) regelmässig angerufen. Sie konnte sich dabei kaum artikulieren und hat uns niedergemacht und beschimpft. Seit er pensioniert ist, macht sie das in seinem Beisein und auch, wenn der Freund meiner Schwester dabei ist.

Vor ca. 3 Jahren brachte ich endlich den Mut auf, dies ggü. meinem Vater anzusprechen. Resultat: Er hat alles abgestritten und mich als Nestbeschmutzerin hingestellt.

Letzten So war die Geburtstagsfeier meiner Schwester; meine Mutter hatte schon mehr als genug getrunken, war aber eher weinerlich als aggressiv. Mein Vater sass wie immer tatenlos daneben, schenkte ihr sogar nach.

Es tut mir leid, wenn ich das so offen sagen muss, aber in dem Moment habe ich ihn für seine Tatenlosigkeit verachtet.

Meine Mutter hat mich dann abends, als ich wieder zu Hause war, angerufen (vollkommen blau). Ich habe sie gefragt, ob sie zu viel getrunken habe. Vermutlich hat sie die Frage in ihrem Zustand aber gar nicht verstanden. Ich fand dieses Telefonat sooooo anstrengend.

Nun habe ich sogar eine Ausrede gesucht, damit ich W'nachten nicht zu ihnen auf Besuch muss. Ich gehe mittlerweile äusserst ungern zu ihnen, weil man nie weiss, was einen erwartet.

Meine Mutter ist auch, wenn sie nicht betrunken ist, sehr gefühlskalt (war physisch immer für uns da als Kinder, aber es gab nie eine Umarmung oder ein Lob) und kann extrem verletzend sein.

Je nach Tagesform ist sie jedoch auch fürsorglich und lieb.

Meine Eltern leben in ihrem Zweierkosmos, d.h. man kommt eigentlich nie an die einzelne Person ran (weshalb ich das ggü. meiner Mutter nie wirklich ansprechen konnte und evtl. auch nicht wollte, nach dem tollen Erfolg bei meinem Vater). Sie legen sehr viel Wert auf Schein statt Sein; finanziell gibt es keine Probleme bei ihnen.

Meine Mutter erwähnt auch oft ungefragr, wie glücklich sie seien, was ich jedoch stark bezweifle.

Meine Eltern werden nicht ewig leben; natürlich mache ich mir Sorgen und würde das zu gern aus der Welt schaffen. Ich merke aber, dass ich nicht mehr viel Kraft habe bzw. durch die Sucht schon so viel Geschirr zerschlagen wurde, dass ich auch schon einen Kontaktabbruch in Erwägung gezogen habe. Ich fühle Verzweiflung, Ohnmacht, Wut und manchmal eben auch Verachtung. Die Situation belastet mich sehr.

Habt ihr Erfahrung damit? Was würdet ihr mir raten? Auch Tipps, wie ich mich besser abgrenzen kann, sind sehr willkommen.

P.S.: Meine Eltern haben keinen Hausarzt, sonst wäre ich evtl. dort mal vorstellig geworden.

Liebe Grüsse

Alexandra

SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Liebe alemi73

Ich begrüsse Sie herzlich im Forum von Safe Zone.

Sie beschreiben eindrücklich und ausführlich wie Sie den Kontakt zu Ihren Eltern erleben, wie belastend die Situation für Sie ist und wie schwierig sich das Unterfangen gestaltet, mit Ihrem Anliegen Gehör bei den Eltern zu finden.

Bestimmt stehen Sie nicht alleine da mit Erfahrungen dieser Art. Wer aus der Safe Zone-Community kennt diese oder ähnliche Probleme?

Vielleicht möchten Sie das Thema vertieft anschauen? Wenn ja, dann wenden Sie sich doch an die Mailberatung von Safe Zone. Erfahrene SuchtberaterInnen stehen Ihnen gerne beratend zur Verfügung.

Herzlich

SafeZone-Sara


SafeZone.ch-User schreibt:

Kenne ähliches. Gibt es etwas, das du mit deiner Mutter gern machst? Kuchen backen? Spazieren? ... Wenn nicht, kannst du etwas suchen? Zb Nähkurs ............ Oder hat sie noch etwas suf ihrer 'wollte-ich-sch


SafeZone.ch-User schreibt:

Wollte-ich-schon-immer-machen Liste... Gibt dir / euch evt raum für gefühle, ohne da diese von ihr dominiert werden. Abgrenzung ist schwierig. Finde 'dann-kreiere-ich-halt-den-tollen-moment' einfacher


SafeZone.ch-User schreibt:

Wollte-ich-schon-immer-machen Liste... Gibt dir / euch evt raum für gefühle, ohne da diese von ihr dominiert werden. Abgrenzung ist schwierig. Finde 'dann-kreiere-ich-halt-den-tollen-moment' einfacher


SafeZone.ch-User schreibt:

Es hat momente gegeben in dennen ich mich mit meinem ganzen Leben gegen die Alkohohlsucht meiner Mutter gewendet habe. Auch die Aussage das sie glücklich mit ihrem Leben ist konnte ich ihr nicht abnehmen. Mit einem "Alkohohlproblem" kann man nicht glücklich sein!! war meine Meinung.

Heute sehe ich das etwas anders. Wer erlaubt mir zu endscheiden darüber was ein erfülltes und was ein unerfülltes Leben ist? Heute sehe ich den Alkohohl wie ein Mensch an der meine Mutter durch ihr Leben begleitet ( mit dem Unterschied das er unsterblich ist denn ansonsten würde ich ihn umbringen :-) )und solange sie seine Begleitung akzeptiert oder sogar wünscht, respektiere ich dies.

Doch es war ein sehr langer Weg um zubegreiffen das ich gegen den Alkohol nicht gewinnen kann und mich besser auf die Stunden konsentriere in dennen er Abwesend ist um diese guten Zeiten zu genießen.

Nur das der Alkohol in einer anderen Welt mit einer anderen Wahrheit lebt mit dem habe ich immer noch sehr Mühe. Immer diese Lügengeschichten!!! Oder sollte ich besser sagen "Erzählungen aus einer anderen Welt"? Warum kann sie nicht einfach hinstehen und sagen ich habe getrunken ?


SafeZone.ch-User schreibt:

.....nicht zu vergessen die Anschuldigungen das ich ihr etwas unterstelle was nicht stimmt obwohl sie fast nicht mehr laufen kann. ...


SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Liebe Sonnenwirbel

Ich begrüsse Sie herzlich im Forum von Safe Zone!

Vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie beschreiben eindrücklich, wie Sie versuchen, die guten Stunden mit ihrer Mutter zu geniessen und wie Sie versuchen, ihren Lebensweg zu respektieren. Mit den Anschuldigungen von ihr umzugehen ist sicher schwierig!

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und ein glückliches Jahr 2016!

Freundliche Grüsse

Safe Zone-Frieda


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