Meine Partnerin konsumiert regelmässig Cannabis. Sie möchte aufhören, braucht aber noch Zeit. Wie gehe ich am besten vor, ohne sie zu sehr unter Druck zu setzen?

Guten Tag

Meine Partnerin und ich sind seit einigen Monaten zusammen,dass sie regelmässig kifft sprich jeden Abend habe ich schon früh festgestellt und dies auch angesprochen, mit der positiven Reaktion das sie aufhören möchte aber noch ihre Zeit brauche. Veränderung seit dem ist keine vorhanden, wenn ich sie nach dem Grund frage kommen Argumentationen wie: es beruhigt mich, die Pflanze habe mich durch schwere Zeiten begleitet und durch meine Feinfühligkeit nehme ich dieUmfeld Einflüsse viel stärker wahr und die Pflanze helfe mir diese wieder zu verarbeiten. Was mich persönlich stört sind die Wirkungen danach, sprich am anderen Tag,dass die Motivation extrem leidet und man sich sehr schnell mit allem überfordert fühlt.

Ich stosse an möchte niemanden unter Druck setzten,Mühle mich aber auch nicht ernst genommen, für mich ist die Situation sehr unangenehm. Wie kann ich am besten vor gehen?

SafeZone.ch-User schreibt:

Guten Abend ASB

Herzlich willkommen im Forum!

Sie stellen eine Frage, mit der sich Angehörige von Menschen mit Substanzkonsum oft auseinander setzen müssen: was kann ich tun, dass die negativen Folgen des Konsums nicht zu stark werden.

Es wäre interessant zu erfahren, was genau störend ist am Konsum ihrer Partnerin, welche Konsequenzen Sie beobachten? Ist es Sorge oder fühlen Sie sich eingeschränkt in Ihren Plänen?

Weiter wäre auch spannend zu erfahren, ob Ihre Freundin vor Ihrer Beziehung den Wunsch hatte, mit dem Cannabis aufzuhören bzw. weniger zu konsumieren und was sie dazu bereits unternommen hat.

Ich finde es ganz wichtig zu beachten, dass Veränderung Zeit braucht, und auch bei grössmöglicher Motivation ist ein Zurückfallen in alte Muster "normal" bzw. gehört dazu. Eine stabile, stressarme Lebenssituation kann dabei sehr hilfreich sein. Ist dies bei Ihrer Partnerin der Fall?

Vielleicht können andere Forenteilnehmer ihre Erfahrungen hinsichtlich des Umgangs von Substanzkonsum bei Angehörigen schildern. Was war hilfreich, was war schwierig?


SafeZone.ch-User schreibt:

Ich habe das gleiche Problem wie Sie: Mein Partner konsumiert regelmässig zu Hause Cannabis und es stört mich gewaltig! Ich weiss einfach nicht, was ich dagegen tun soll. Ich habe es schon mit allen probiert: von Verständnis bis Drohen... So langsam gehen mir die Ideen aus - aber auch das Verständnis!!!

Sie sagen, es sei wichtig, dass diese Veränderung Zeit braucht. Aber wie lange denn? Eine stabile, stressfreie Lebenssituation ist hilfreich - klar! Aber wir können unsere Partner nicht vor allem Problemen abschirmen für den Rest ihres Lebens, oder? Ausserdem fangen wir ja auch nicht gleich mit Drogen an, sobald wir Stress haben!? Ich finde, dass sind Ausreden! Mein Partner steht unter grossen Druck, da er einen Posten mit sehr viel Verantwortung besetzt. Aber wieso lässt er sich nicht helfen?

Wenn ich ihn frage, warum er das macht, antwortet er "Ich mache es halt so gerne!", mehr krieg ich nie zu hören. Er nimmt offensichtlich in Kauf, dass er mich verlieren kann, das verletzt mich sehr. Ich möchte noch erwähnen, dass wir über 30 sind und schon lange ein Paar.

Also zum Thema "Was ist hilfreich": Nichts! Entweder wir tolerieren das oder wir haben noch die Wahl, uns zu trennen, so ist es doch???


SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Guten Tag Sandra85

Herzlich willkommen im Forum safe zone!

Sie scheinen schon viel versucht zu haben mit Ihrem Partner, der Cannabis konsumiert. Das ist für Sie eine schwierige Situation, das verstehe ich gut. Was stört Sie denn am meisten daran?

Und ja, manchmal habe ich in meinen Beratungen schon erlebt, dass sich ein Partner trennt von einem Menschen, der sich nicht unterstützen lässt bei seiner Suchtproblematik. Es gibt aber auch für Sie selber noch Unterstützungsmöglichkeiten: zB. in der Mailberatung safe zone, oder auf einer Beratungsstelle in Ihrer Region. Vielleicht weiss auch noch jemand anderes eine gute Anregung für Sandra? Hat sonst noch jemand Erfahrung mit einem Partner, der konsumiert? Was hat da geholfen?


SafeZone.ch-User schreibt:

ASB schrieb:

Guten Tag

Meine Partnerin und ich sind seit einigen Monaten zusammen,dass sie regelmässig kifft sprich jeden Abend habe ich schon früh festgestellt und dies auch angesprochen, mit der positiven Reaktion das sie aufhören möchte aber noch ihre Zeit brauche. Veränderung seit dem ist keine vorhanden, wenn ich sie nach dem Grund frage kommen Argumentationen wie: es beruhigt mich, die Pflanze habe mich durch schwere Zeiten begleitet und durch meine Feinfühligkeit nehme ich dieUmfeld Einflüsse viel stärker wahr und die Pflanze helfe mir diese wieder zu verarbeiten. Was mich persönlich stört sind die Wirkungen danach, sprich am anderen Tag,dass die Motivation extrem leidet und man sich sehr schnell mit allem überfordert fühlt.

Ich stosse an möchte niemanden unter Druck setzten,Mühle mich aber auch nicht ernst genommen, für mich ist die Situation sehr unangenehm. Wie kann ich am besten vor gehen?


SafeZone.ch-User schreibt:

Habe persönliche schreckliche, sehr aufreibende Erfahrungen zu dem Thema.

- Obwohl überzeugte Nichtraucherin waren die letzten 3 Partner (in den letzten 11 Jahren) langjährig abhängig vom Cannabis, oder, in einem Fall, früher davon abhängig (ca mit 23/24 aufgehört. 2 davon kiffen mindestens 3 mal am Tag, sind um die 35 Jahre alt (der letztere raucht nun einfach Zigratten, hat ca 10 Jahre gekifft) und alle 3 haben bereits mit 14/15 täglich geraucht resp da angefangen. 2 davon (die die aktuell noch kiffen), schlafen nicht ein ohne zu kiffen. 1 isst auch kaum ohne, er konsumiert zudem trotz schwerer Lungenkrankheit und operativen Eingriffen seit 8 Jahren weiterhin täglich, hat zahlreiche Versuche hinter sich aufzuhören

- Das Muster vom äusserst sensiblen und rebellischen Jugendlichen, der zu kiffen anfängt, weil er (Observation/Annahme) mit den Teenageremotionen (allenfalls auch den intensiven Männlichkeitshormonen während dieser Zeit?) nicht umgehen kann, zieht sich durch. Alle 3 kommen aus guten, gebildeten, weltgewandten, stabilen Familien. Alle 3 haben eine kreative Ader und fühlten sich (zumindest in der Teenagerzeit) - von der Welt, den hiesigen Konventionen - missverstanden, und sind auch heute noch etwas "alternativ" (nicht zu fest, einfach nicht an die hiesigen konventionen von 'schaffe schaffe hüsli bauen' angepasst). Alle 3 sind überdurchschnittlich intelligent, und überdurchschnittlich Harmonie- und Liebesbedürftig. Neigen ohne Konsum wohl zu Selbstzweifel, evt sogar Depressionen - Unfähigkeit mit dem Leben 'hier' umzugehen (Druck, Erwartungen, Konventionen, die vielen Grenzen). Wie sieht das bei euren Partner aus? Insbesondere bezgl Sensibilität, dem empfundenen Zwang durch Konventionen ... Alle 3 sind nur sehr begrenzt interessiert eine Familie zu gründen resp Verantwortung zu übernehmen

- Aufgrund des intensiven, langjährigen und konstanten Konsums ist mir ein Leben wie 'unter einem Nebel' erklärt worden, resp habe ich das auch so empfunden/beobachtet, dh emotional abgestumpft / abgeschottet. Anscheinend (zu den theoretische Grundlagen) erhöht sich durch den Konsum das Niveau, wo man sich als "glücklich" empfindet, und das kann dann nur durch den nächsten Joint wieder erreicht werden. Streicheleinheiten der Partnerin, ein gutes Essen zb werden kaum jemals intensiv wahrgenommen, und niemals als genügend um den Glückszustand (oder wie sie es sagen 'Entspannungszustand') von einem Joint zu erreichen. Bald einmal wird dann (anscheinend, gemäss Informationen/Beobachtung) der "bekiffte" Zustand zum Normalzustand, und der Süchtige einigermassen schizophren: Die Persönlichkeit wechselt je nach Tageszeit, 3-5 mal am Tag zwischen "vor dem Rauchen", "direkt vor dem Rauchen" (Stress, angespannt, aggressive), beim "Rauchen" (egozentrische, egoistische Entspannung - "endlich"), nach dem Rauchen (bekifft, zugedröhnt), und dazwischen (einigermassen normal)

- Gründe wie 'mir gefällts', 'einziger Moment wo ich mich wirklich gehen lassen kann', Suizidgedanken habe ich nie - "weil es ja noch so viel Tage gibt, wo ich kiffen kann", bis zu "ich könnte aufhören wenn ich wollte" habe ich zu Hauf gehört, bis zu: Früher hat mein Freund gesagt "wenn wir nichts zu kiffen haben, müssen wir uns gar nicht treffen". Lebensentscheidungen werden bis ins jetzige Alter aufgrund des Konsums entschieden: Freunde sind die, die auch kiffen - "gute" Restaurants sind die, wo man sie in Ruhe (rauchen) lässt. Und trotzdem eine Dankbarkeit "der Cannabis hat mich zu dem (coolen, unabhängigen) Typen gemacht, der ich heute bin".

- Darüber reden hat eigentlich nie (wirklich) geklappt, die Droge scheint eine Blockade im Hirn des Süchtigen zu errichten, (kindische) Antworten wie "du tönst wie meine Eltern" sind das Resultat. Auch logische Argumente wie "ein grosser Teil von dem Stress, von welchem du dich entspannen willst, kreiert die Droge selber" werden kaum gehört, oder kommen nicht an. Bei dem aktuellen Partner wurde ich 2 mal im Restaurant aufgefordert, schneller zu essen, dass die Person danach rauchen resp kiffen kann.

- Ich frage mich jeweils, wie wäre die Person,wenn sie nicht kifft. Weniger / mehr emotional. Libido? Lust am Leben? Den jetzigen Partner hatte ich vor einem Jahr explizit darauf hingewiesen, dass dies für mich nicht geht - er sagte, er überlege sich aufzuhören. Seither entweder "ich könnte schon, wenn ich wollte - aber es gibt keinen guten Grund" oder "ich habe realisiert, dass es nicht so einfach ist". Und: Ein von mir vorgeschlagenes ein - bis zweimaliges Kiffen pro Woche (!) wird von ihm als "aufhören" bezeichnet !!!

Ich bin sehr an Euren Erfahrungen, aber auch an Studien etc interessiert. Ich kriege das Gefühl, dass die Droge viel zu fest verhamlost wird, und die Langzeitabhängigkeiten resp deren Auswirkung kaum umfassend dokumentiert ist!


SafeZone.ch-User schreibt:

Und noch eine konkrete Frage an das Forum Team ... in einem anderen Beitrag steht, dass man (als Partner) verlangen kann/soll, dass der Süchtige zum Zeitpunkt des Treffens / der gemeinsamen Zeit "nüchtern" ist. Mal abgesehen davon, dass mein Partner schon nach 1 Tag (geschweige denn nach 2-3 Tagen) so mies gelaunt ist, dass ich ihn gebeten habe, wieder anzufangen (innerhalb des einen Jahres, wo wir uns kennen, hat er erst einmal zu diesem Versuch eingewilligt) ... Wann wäre denn ein (langjähriger, intensiv) Cannabiskonsumierender "clean" - Ich habe gelesen, dass THC ist noch sehr lange präsent ist, und wird ständig im Körper abgegeben - da müsse man schon min 3 Wochen warten ??!!?!


SafeZone.ch hat diese Frage beantwortet:

Guten Tag KayaE und willkommen auf SafeZone.

Ihr langer Bericht über Ihre Erfahrungen mit kiffenden Partnern ist wirklich eindrücklich.

Ich hoffe, dass Sie hilfreiche Antworten von anderen usern bekommen.

Ansonsten kann ich Ihnen die Mailberatung von SafeZone empfehlen für eine intensive, persönliche Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Nun aber zu Ihrer Frage ans Forenteam: ab wann ist ein langjährig, intensiv Cannabis Konsumierender clean?

Wie Sie richtig schreiben, ist THC bzw. seine Abbauprodukte noch lange im Körper und z.B. durch eine Urinprobe nachweisbar. Da kann es schon vier Wochen oder noch länger dauern, bis eine Urinprobe negativ ist.

Anders sieht es aus beim Cannabisrausch: dieser dauert ca. 2 bis 12 Stunden, abhängig von der Konsumform (rauchen, inhalieren, essen, trinken). In diesem Sinne wäre Ihr Partner wenige Stunden nach seinem letzten Joint als nüchtern zu betrachten.

Als Langzeitfolgen werden häufig genannt: Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis und der Aufmerksamkeit, Passivität und Teilnahmslosigkeit. Meines Wissens geht man davon aus, dass diese Auswirkungen reversibel sind, wenn jemand aufhört mit dem Cannabiskonsum. Zu den Langzeitfolgen von Cannabiskonsum wird intensiv geforscht und kontrovers diskutiert. Gerade auch die Frage, wie der Zusammenhang von Cannabiskonsum und gewissen psychischen Erkrankungen ist.

Je nach Definition (nicht mehr berauscht, nicht mehr nachweisbar im Urin, keine Langzeitfolgen mehr zu beobachten) kann es also sehr unterschiedlich lange dauern, bis jemand „clean“ ist.

Freundliche Grüsse

Katja Scherrer


SafeZone.ch-User schreibt:

Hi Katja

Ich habe die Mailberatung ebenfalls in Gang gesetzt, um möglichst mit der Vergangenheit resp Gegenwart abschliessen resp umgehen zu können.

Helen hat mir dort geantwortet. Gerne würde ich auch von dir weiterhin lesen, ich mag deinen "Stil", und bin an deinen weiterführenden Gedanken zur Situation sehr interessiert.

Danke!

PS: Kürzlich habe ich mich darüber geärgert, dass keiner der 2 Konsumierenden jemals eine Beratungsstelle kontaktiert haben. Nun wird mir bewusst, dass ich dies in all den Jahren auch nie gemacht habe - die Beiträge der anderen Users waren tatsächlich eine grosse Erleichterung - denen geht es auch so! (Partner blockt ab, (wie) kann man das Thema adressieren etc)


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